Planet B
Sci-Fi / Thriller
Regie: Aude Léa Rapin
Frankreich / 2024
2039: Die Ökoterroristin Julia wird bei einem gewalttätigen Protest von einer Kugel getroffen und verschwindet zusammen mit anderen Aktivisten spurlos. Als sie wieder zu sich kommt, merkt sie, dass sie sich in einer anderen Welt befindet: dem digitalen Gefängnis PLANET B.
Den Gefangenen wird schnell klar, dass sie aus diesem Gefängnis nicht so einfach entkommen können. Sie werden psychisch gefoltert, ihre dunkelsten Albträume werden wahr, und sie erkennen bald nicht mehr, was Realität und was Fiktion ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Journalistin Nour ist die Einzige, die über PLANET B Bescheid weiß – und sie ist der Geschichte auf der Spur.
Ein Gefängnis im virtuellen Raum – das hatten wir so noch nicht, oder ich habe zumindest noch keinen Streifen gesehen, der sich mit einer solchen Idee beschäftigt hat. Von daher ist der Ansatz hier durchaus erfrischend.
Auch die beiden Hauptdarstellerinnen sind klasse und spielen ihre Rollen überzeugend. Adèle Exarchopoulos (so einen Namen kann man sich auch nicht ausdenken) hatte in BLAU IST EINE WARME FARBE ja schon ihren großen Auftritt und ist hier nun in einem völlig anderen Genre zu sehen.
Auch das komplette Setting, insbesondere im virtuellen Gefängnis, gefällt, und die Albträume der Protagonisten, mit denen sie gebrochen werden sollen, um zu gestehen und ihre Freunde zu verraten, sind sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt.
Regisseurin Rapin hat mit einer Ausnahme bisher nur Kurzfilme gedreht. Umso mehr überrascht es, dass ihr zweiter Ausflug ins Spielfilmgeschäft genau das Problem hat, das man von ihren kürzeren Arbeiten nicht kennt: Der Film ist einfach etwa 20 Minuten zu lang.
An manchen Stellen hätte man die Handlung straffen können. Denn auch wenn die grauenvollen Nächte der Protagonisten visuell sehr edel gefilmt sind, hätte es in Bezug auf die Effekte auch gereicht, diese nur ein- oder zweimal zu zeigen.
Das ist allerdings Kritik auf recht hohem Niveau. Mir persönlich gefällt die Grundidee einfach sehr gut, und auch die Rolle der Nour, deren „Pass“ – in diesem Fall an den Augen zu erkennen – abläuft, ist sehr interessant gestaltet und gut in den Film integriert.
So bleibt ein spannender und ungewöhnlicher Sci-Fi-Thriller, den man lediglich ein wenig hätte kürzen können. Die Geschichte an sich ist frisch und packend. Ein zweiter Teil darf gerne folgen.