The Dark and the Wicked
Horror
Regie: Bryan Bertino
USA / 2020
Das Ende naht. Dessen sind sich die Geschwister Louise und Michael Straker bewusst, als sie ihren todkranken Vater David zum wohl letzten Mal auf der elterlichen Farm im verlassenen Hinterland besuchen. Die beiden wollen ihrer psychisch labilen Mutter Virginia unter die Arme greifen.
Aber schon bald nach ihrer Ankunft geschehen merkwürdige Dinge. Während die Mutter immer unberechenbarer wird, versuchen die Kinder, die Nerven zu wahren. Ist es nur die erschütternde Gewissheit des Unausweichlichen – oder lauert etwas unsagbar Böses in der Finsternis der Nacht?
Ist es denn möglich, einen guten Film zu schaffen, bei dem bis zum Ende praktisch nichts – aber auch wirklich gar nichts – aufgeklärt wird und der daher fast nur aus einer Abfolge (spannender) Szenen besteht? Nach Sichtung dieses Streifens kann man das auf jeden Fall bejahen.
Was hier an Atmosphäre aufgebaut wird, schaffen andere Streifen in 90 Minuten nicht ein einziges Mal, während es THE DARK AND THE WICKED – nach den ersten etwas zähen 20 Minuten – durchgehend hervorragend gelingt.
Wie bereits erwähnt, herrscht hier ein dauerhafter Erklärungsnotstand, und der Zuschauer muss sich zwangsläufig alles selbst zusammenreimen – wird aber in meinen Augen daran scheitern, da es einfach zu wenige konkrete Hinweise gibt, was auf dieser Farm eigentlich passiert.
Regisseur und Drehbuchautor Bertino macht hier so einiges gut, was er in den letzten Jahren verbockt hat. Nach STRANGERS (völlig überbewertet), STRANGERS: OPFERNACHT (völlig unterbewertet) und dem komplett dusseligen CHAPTER 1 (zu dem er allerdings nur das Drehbuch schrieb – blamieren durfte sich Renny Harlin), liefert er hier einen atmosphärischen Hochgenuss der Sonderklasse – und da will man gar nichts erklärt haben.
Selten habe ich in den letzten Jahren einen Streifen gesehen, der faktisch aus „nichts“ so viel herausholt. Die Geschichte ist im Grunde mit der obigen Zusammenfassung auserzählt – der Film lebt ausschließlich von seiner Atmosphäre. Die ist allerdings so stark, dass man auch keine Erklärungen braucht. Der knackige, spooky Score tut sein Übriges.
Dazu gibt es noch einen hervorragenden Abschluss mit einer wirklichen Überraschung, denn diese unheimliche Macht kann unter anderem Menschen Halluzinationen vorgaukeln. Das nutzt der Streifen zwar vorher schon – aber gegen Schluss wird es dann wirklich fies.
Fazit: Sauspannender Streifen mit Kultfilm-Gefahr. Viel besser kann man Suspense kaum erzeugen. Wer allerdings unbedingt für alles eine Erklärung (und sei sie noch so doof) braucht, wird hier kopfschüttelnd zurückbleiben.