Das rote Eichhörnchen

Drama

Regie: Julio Medem

Spanien / 1993


Jota steht kurz davor, Selbstmord zu begehen, kann sich aber nicht überwinden, den Abhang hinunterzuspringen. Plötzlich kracht unweit von ihm ein Motorrad gegen das Geländer einer Brücke, und die Fahrerin landet in hohem Bogen im Sand.

Jota eilt zu ihr und versucht zu helfen. Als die Sanitäter eintreffen, gibt er sich kurzerhand als ihr Freund aus, um mit ins Krankenhaus fahren zu dürfen. Als die geheimnisvolle Dame auch noch unter Amnesie leidet, sieht er plötzlich einen neuen Sinn in seinem Leben und gaukelt ihr vor, mit ihr liiert zu sein.

Das funktioniert eine Zeit lang ganz gut, doch dann beginnt Madames tatsächlicher Freund per Radio nach ihr zu suchen, und Jota verstrickt sich immer tiefer in ein Netz aus Lügen. Kann er sich zudem sicher sein, dass sich seine neue Angebetete wirklich an nichts erinnert?

Grundsätzlich hört sich das alles gar nicht mal uninteressant an, und ein Alfred Hitchcock oder David Fincher hätten aus dieser Geschichte sicherlich auch einiges herausgeholt. Julio Medem gelingt das allerdings nicht.

Die Handlungsweisen der Protagonisten sind größtenteils vollkommen unsinnig, viele Dialoge unfreiwillig komisch („Du bist ja gefährlich“), und echte Spannung will sich zu keinem Zeitpunkt einstellen.

Zudem sind die Darsteller durchweg unsympathisch, und die zahlreichen Nebenhandlungen erweisen sich als totaler Blödsinn. Besonders der kurzzeitig eingeführte surrealistische Touch geht komplett in die Hose, da er nicht nur deplatziert wirkt, sondern auch noch auffallend billig inszeniert ist. Da war das Budget wohl bereits aufgebraucht.

Und was soll zum Beispiel der Handlungsstrang mit dem Teenager, der angeblich Menschen hypnotisieren kann? Was soll eigentlich dieser ganze Film?

Entsetzen befällt mich allerdings, wenn ich sehe, dass der Streifen auf einen Durchschnittswert von 8,25 kommt. Hat hier womöglich die Hypnose des erwähnten Teenagers doch gewirkt, sodass alle Zuschauer dem grausigen Machwerk in diesem Zustand Höchstwertungen verpasst haben?

Oder sollte ich hier schlicht nicht in der Lage sein, ein angebliches Meisterwerk der Filmgeschichte angemessen zu würdigen?

Fazit: Eine Tierdokumentation über das Leben von Eichhörnchen ist deutlich interessanter als dieser Film, der obendrein mit nahezu quälenden 110 Minuten Laufzeit aufwartet.

Amüsant sind immerhin die Extras und der Audiokommentar des Regisseurs, der sich offenbar sicher ist, hier eine grandiose Bereicherung für die Filmwelt geschaffen zu haben. Dem ist mitnichten so.

Was bedeuten die Chuckys?