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PINOCCHIO UNSTRUNG
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PINOCCHIO UNSTRUNG

Horror

Regie: Rhys Frake-Waterfield

Großbritannien / 2026


Die Marionette erwacht zu grausigem Leben: Pinocchio, erschaffen von Geppetto, möchte nichts sehnlicher, als ein echter Junge zu werden. Doch der Traum vom Menschsein führt die lebendige Holzpuppe auf ziemlich finstere Abwege. Getrieben von seiner verzweifelten Sehnsucht glaubt Pinocchio, dass gestohlenes Fleisch und Blut ihm den ersehnten Wandel ermöglichen könnten. Die sprechende Grille, die eigentlich sein Gewissen sein sollte, befeuert das Unheil zusätzlich mit boshaften Einflüsterungen – denn auch sie verfolgt ihre ganz eigenen dunklen Ziele. So verwandelt sich der Wunsch nach Menschlichkeit und Zugehörigkeit ziemlich schnell in einen ausgesprochen blutigen Albtraum.

Es gab in dieser Richtung inzwischen ja schon mehrere Filme, deren Qualität irgendwo zwischen komplettem Schrott und überraschend amüsantem Trash lag. PINOCCHIO UNSTRUNG soll nun zumindest vorerst die letzte dieser blutigen Märchenadaptionen sein – danach ist erst einmal Schluss. Eigentlich schade, denn ausgerechnet jetzt hat man mit Abstand den besten Streifen dieser Reihe abgeliefert.

Schon optisch liegen zwischen diesem Film und manch anderem Vertreter des Märchen-Gemetzels Welten. Zu keiner Zeit sieht PINOCCHIO UNSTRUNG so billig aus wie beispielsweise die BAMBI-Adaption. Das gesamte Umfeld passt hervorragend zur Geschichte und auch Ausstattung und Atmosphäre machen wesentlich mehr her, als ich im Vorfeld erwartet hätte.

Auch die Geschichte wurde gegenüber der bekannten Vorlage ziemlich kräftig umgebaut. Wobei ich mich tatsächlich gefragt habe, ob es in der ursprünglichen Geschichte diese sprechende Grille überhaupt gab. Wenn ja, dann ist sie bei mir irgendwo zwischen Kindheit und zunehmender Altersdemenz aus dem Gedächtnis verschwunden. Jedenfalls bekommt sie hier eine deutlich andere und wesentlich fiesere Funktion als das freundliche Gewissen, das man vielleicht erwartet.

Überraschenderweise funktioniert aber nicht nur der Horror. Teilweise entwickelt man sogar echtes Mitgefühl für den kleinen Holzkasper. Sein verzweifelter Wunsch, endlich einen Freund zu haben und dazuzugehören, wird erstaunlich sympathisch und stellenweise fast schon rührend dargestellt. Natürlich geht Pinocchio bei der Umsetzung dieses Wunsches ein klein wenig zu weit.

Besonders problematisch wird es, weil er auch Leute niedermetzelt, die seinem auserkorenen Kumpel eigentlich überhaupt nichts Böses wollen. Trotzdem schafft es der Film erstaunlicherweise, dass man ihm das nicht einmal richtig übel nimmt. Irgendwo unter all dem Holz, Blut und Gemetzel steckt eben doch eine ziemlich traurige Figur, die im Grunde nur dazugehören möchte und dabei leider vollkommen falsche Schlüsse zieht.

Jetzt hat man also tatsächlich einmal einen richtig guten Streifen innerhalb dieser ganzen Märchen-Horror-Schiene abgeliefert – und ausgerechnet jetzt will man damit aufhören? Na prima. Vielleicht hätte man einfach früher damit anfangen sollen, neben Blut und Gedärmen auch ein bisschen Geld und Mühe in Drehbuch, Figuren und Atmosphäre zu investieren.

Fazit: Endlich einmal Märchen-Horror, der nicht nur davon lebt, eine bekannte Kinderfigur mit möglichst viel Blut zu beschmieren. PINOCCHIO UNSTRUNG sieht ordentlich aus, erzählt tatsächlich eine Geschichte und schafft es sogar, dass einem der mordende Holzkasper ein wenig ans Herz wächst. Wer hätte das gedacht?

Was bedeuten die Chuckys?