Operation Kabul
Thriller / Drama
Regie: Martin Bourboulon
Frankreich / 2023
Kabul, 15. August 2021: Während die US-Truppen ihren Rückzug aus Afghanistan vorbereiten, marschieren die Taliban praktisch ungehindert in die Hauptstadt ein. Inmitten des Chaos wird die französische Botschaft zum letzten Zufluchtsort für Diplomaten, Hilfsorganisationen und zahlreiche afghanische Zivilisten. Kommandant Mohamed Bida und sein Team stehen vor der fast unmöglichen Aufgabe, Hunderte Menschen zu evakuieren und sicher zum Flughafen zu bringen. Mit begrenzten Mitteln beginnt ein 13 Tage und Nächte dauernder Wettlauf gegen die Zeit – raus aus der Hölle von Kabul, bevor alles komplett eskaliert.
Der Film basiert auf dem autobiografischen Bericht „13 jours, 13 nuits dans l’enfer de Kaboul“ des französischen Elitepolizisten Mohamed Bida und erzählt die dramatischen Ereignisse rund um die Evakuierung der französischen Botschaft im August 2021.
Ob sich das Ganze wirklich exakt so abgespielt hat wie im Film, wage ich allerdings zu bezweifeln. Einige Handlungselemente wirken doch ziemlich nach Drehbuchabteilung. Aber ganz ehrlich: Das ist hier auch völlig egal, denn der Film ist vor allem eines – verdammt spannend.
Bis kurz vor Schluss weiß man nicht, wie die Sache ausgeht – zumindest dann nicht, wenn man sich vorher nicht durch sämtliche Nachrichtenartikel gewühlt hat. Besonders die Fahrt zum Flughafen gehört für mich zu den interessantesten Szenen, die ich seit Langem gesehen habe. Mehr kann man dazu aus Spoilergründen kaum sagen.
In der Rolle des Kommandanten Bida ist die französische Allzweckwaffe Roschdy Zem zu sehen. Wirklich schlechte Filme von ihm kann man fast an einer Hand abzählen, und zuletzt überzeugte er erst als ziemlich abgebrühter Killer in „Elyas“. An seiner Seite stehen ebenfalls starke Darsteller, unter anderem Sidse Babett Knudsen, vielen besser bekannt als Ministerpräsidentin aus „Borgen“. Wie eine dänische Charakterdarstellerin ausgerechnet in dieser Produktion landet, fragt man sich zwar kurz – aber gut, beschweren muss man sich darüber wirklich nicht.
Auch das Taliban-Regime wird hier eindrucksvoll gezeigt, vor allem das mittelalterliche Frauenbild dieser Truppe. Der Film arbeitet diese Kritik allerdings angenehm unaufdringlich ein, statt sie mit dem Holzhammer zu servieren.
Selbst wenn man über die Ereignisse in Kabul kaum etwas weiß oder sich normalerweise nicht besonders für Weltpolitik interessiert, ist Operation Kabul definitiv einen Blick wert. Am Ende bleibt ein sehr gut gespielter, packend inszenierter Thriller.