Das Verschwinden des Josef Mengele

Biopic / Drama

Regie: Kirill Serebrennikov

Deutschland / 2023


Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelang Josef Mengele, dem NS-Arzt aus dem Vernichtungslager Auschwitz, die Flucht aus Deutschland. Mit Hilfe von SS-Kontakten und der Unterstützung wohlhabender südamerikanischer Familien tauchte er in Argentinien unter. Von Buenos Aires über Paraguay bis in den brasilianischen Urwald organisierte der sogenannte „Todesengel“ sein Verschwinden und entzog sich konsequent jeder Strafverfolgung.

Bei manchen Kritiken frage ich mich wirklich, was die Verfasser geraucht haben. Da wird ernsthaft bemängelt, der Film sei kein Thriller, „weil er nicht spannend genug ist“. Wer erwartet bei einem Biopic bitte einen Thriller? Oder Klassiker wie „Es passiert zu wenig“. Ja – es passiert genau das, was tatsächlich passiert ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Der Film erzählt die letzten Jahre des geisteskranken Arztes und zeigt in Rückblenden auch Ereignisse kurz nach dem Krieg sowie Stationen aus seiner Vergangenheit. Gerade diese Mischung macht das Ganze interessant.

Ich persönlich fand das durchaus spannend – auch weil ich mich vorher nie intensiver mit der Person beschäftigt hatte. Man kennt den Namen und die Gräueltaten, aber nicht unbedingt den Menschen dahinter.

Mit August Diehl hat man eine nahezu perfekte Besetzung gefunden. Sein nuanciertes Spiel bringt den Charakter Mengeles erschreckend gut rüber. Besonders stark: Er verkörpert ihn auch im späteren Alter und schafft es dabei sogar, stellenweise so etwas wie Mitleid beim Zuschauer auszulösen – weil dieser Mann am Ende eben auch nur noch ein verbittertes, isoliertes Wrack ist.

Die Rückblenden nach Auschwitz sind teils ziemlich heftig. Die FSK-12-Freigabe halte ich hier für mehr als grenzwertig – vor allem, weil jüngere Zuschauer das Gezeigte weder einordnen noch verarbeiten können. Verstörend sind die Bilder allemal.

Bis zu seinem Tod war Mengele übrigens überzeugt, nichts Unrechtes getan zu haben – er sah sich selbst als Diener der Wissenschaft. Allein das zeigt schon, wie komplett gestört dieser Mensch war.

Fazit: Bis in die Nebenrollen exzellent besetzt, liefert der Film faszinierende Einblicke in Mengeles Leben nach dem Krieg. Wie er und seine Gesinnungsgenossen sich in Südamerika aufführten und sich immer noch keiner Fehler bewusst waren, ist ebenso erschreckend wie spannend.

Was bedeuten die Chuckys?