Gerry
Drama / Experimentalfilm
Regie: Gus Van Sant
USA / 2002
Es ist wirklich unglaublich. Wenn man externe Kritiken über Gerry liest, soll das angeblich ein Meilenstein des Independent-Films sein, der die schönsten Bilder der letzten Dekade eingefangen hat. Hallo? Ein Spielfilm soll doch irgendwo auch unterhalten – und das tut Gerry nicht.
Wie auch? Man sieht ja nur die beiden Gerrys durch die Wüste stapfen, nicht einmal ernsthaft daran interessiert, wieder herauszukommen. Zwischendurch gibt es alberne Dialoge und viele, viele Wolkenformationen. Super, Gus – du zeigst mir, wie schön die Wolken im Death Valley sein können. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich fast 100 Minuten totgelangweilt habe: um Wolken zu sehen.
Klasse. Dann kann ich mir auch Nomaden der Lüfte anschauen – da sind auch genug Wolken dabei, das ist dann aber nebenbei auch noch interessant.
Elephant war ja ebenfalls schon langweilig, hatte aber zumindest noch so etwas wie eine Aussage. Die kann ich bei diesem Film nicht erkennen – oder reicht mein Intellekt dafür nicht aus?
Schon der Anfang ist bescheuert. Nachdem wir den Herren Affleck und Damon etwa zehn Minuten beim Autofahren zugesehen haben (mal von hinten, mal von vorne – unglaublich progressiv), latschen die beiden unmotiviert in die Wüste, um DAS DING zu suchen.
Was denn? DAS DING AUS DEM SUMPF? DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT? Oder DAS DING von den Fantastischen Vier? Oder vielleicht DINGSDA? Dafür hätte man dann einfach auf den dritten Programmen herumzappen müssen – irgendwo läuft da sicher noch eine alte Wiederholung.
Auf dem Rückweg verirren sie sich, und irgendwann haben sie sich dann völlig verfranzt. Aber man latscht und latscht und latscht, ohne auch nur ansatzweise Angst zu zeigen. Warum auch – ist ja schließlich Kunst.
Normalerweise verrate ich den Schluss eines Films nicht, aber hier muss das einfach sein: Damon erwürgt Affleck. Das Ganze ist zudem so bescheuert gefilmt, dass man meinen könnte, die beiden hätten noch mal Sex miteinander.
Warum bringt er ihn um? Keine Ahnung. Interessiert auch nicht. Ist ja schließlich Kunst. Und Kunst lässt sich nicht immer erklären. Super, Gus. Toll gemacht.
In den Extras erfährt man dann auch noch, dass der Film einen Preis erhalten hat. Das kann eigentlich nur der für das beste Schlafmittel sein, das je erfunden wurde. Man braucht sich nie wieder Tabletten zu kaufen – einfach Gerry einlegen und spätestens nach 20 Minuten schlummert man seelenruhig ein.
Einziger Pluspunkt ist die schöne Musik von Arvo Pärt (Alina im Spiegel). Davon besitze ich allerdings auch die CD, also brauche ich mir den Film nicht mehr zu kaufen.
Bei einer Vorführung verließ übrigens die Hälfte der Zuschauer den Kinosaal bereits vorzeitig, und Herr van Sant fühlte sich missverstanden. Ooohhhh, der Arme.
Ich hab da eine Idee, Gus: Geh doch in die Wüste und dreh Gerry 2. Dann kannst du dich von den Menschen erholen, die wahre Kunst nicht zu würdigen wissen. Die Story habe ich auch schon.
Gerry startet an derselben Stelle wie Teil 1 und irrt so lange durch die Gegend, bis er seinen von ihm erwürgten Kumpel findet. Der ist inzwischen von Aasgeiern abgenagt. Er setzt sich daneben, spricht ein Gebet, jagt sich eine Kugel in den Kopf, und wir beobachten danach noch 30 Minuten aus der Froschperspektive, wie sich die Wolken bewegen.
Klasse Idee, oder?
Sorry, Leute – ihr könnt mir gerne schreiben, wenn ich hier völlig danebenliege, aber was an diesem Film sensationell sein soll, erschließt sich mir überhaupt nicht.