FINAL DESTINATION 6: BLOODLINES
Horror
Regie: Zach Lipovsky & Adam B. Stein
USA / Kanada / 2025
Der Tod liegt in der Familie. Immer wieder wird die Studentin Stefanie von einem schrecklichen Albtraum heimgesucht. Sie beschließt, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Dort hofft sie, die einzige Person zu finden, die den Teufelskreis durchbrechen und ihre gesamte Familie vor dem grausamen Tod bewahren kann, der sie alle unweigerlich erwartet …
Die Besprechung kommt hier reichlich spät, weil ich irgendwie nie die Zeit oder ehrlich gesagt auch nicht die große Lust hatte, mir diesen Film anzusehen. Das liegt vor allem an der mittlerweile ziemlich ausgelutschten Grundidee der Reihe. Irgendjemand entkommt durch eine Vorahnung dem sicheren Tod, nimmt dabei noch ein paar andere Leute mit und anschließend kommt der böse Sensenmann und arbeitet seine Liste eben nachträglich ab. Was beim ersten FINAL DESTINATION noch herrlich originell war, wurde mit jedem weiteren Teil zwangsläufig berechenbarer und irgendwann leider auch immer dröger.
Natürlich lebten die Filme schon immer davon, dass man weniger darüber nachdachte, ob jemand ins Gras beißt, sondern vielmehr darüber, wie es diesmal passiert. Da wurde aus jeder herumliegenden Schraube, jedem Kabel und jedem harmlosen Haushaltsgegenstand plötzlich eine potenzielle Mordwaffe. Das machte durchaus Spaß, aber irgendwann hatte man eben das Gefühl, inzwischen jede nur denkbare Variante des möglichst komplizierten Ablebens gesehen zu haben.
Der neue Teil reißt das Ruder allerdings tatsächlich noch einmal herum. Und das liegt vor allem an der überraschend innovativen Geschichte. Durch den Einbau der Familienhistorie bekommt das bekannte Prinzip endlich eine neue Ebene spendiert. Plötzlich geht es nicht mehr nur um eine Handvoll Leute, die dem Tod versehentlich von der Schippe gesprungen sind, sondern um die Konsequenzen eines Ereignisses, das weit in der Vergangenheit liegt und sich über mehrere Generationen hinweg auswirkt.
Das klingt zunächst vielleicht nur nach einer kleinen Veränderung des bekannten Konzepts, macht aber erstaunlich viel aus. Die damit einhergehenden Wendungen und Ideen schaffen es tatsächlich, aus diesem Stoff noch deutlich mehr herauszuholen, als ich erwartet hätte. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich bei einem FINAL DESTINATION nicht ständig das Gefühl, bereits genau zu wissen, welchen Weg die Geschichte einschlagen wird.
Natürlich darf auch diesmal wieder ausgiebig gestorben werden. Und gerade bei den Todessequenzen beweist der Film, dass den Machern offenbar noch immer genügend Gemeinheiten einfallen. Dabei funktioniert erneut dieses herrliche Spiel mit den Erwartungen: Die Kamera zeigt irgendeinen scheinbar völlig unbedeutenden Gegenstand und sofort sitzt man da und denkt sich: Okay, was zur Hölle werden sie jetzt damit anstellen? Oft kommt es dann trotzdem anders als erwartet.
Auch handwerklich passt hier für mich nahezu alles. Die Effekte können sich sehen lassen, die Inszenierung ist ausgesprochen flott und die einzelnen Todesfälle sind teilweise wunderbar fies konstruiert. Vor allem wirkt das Ganze nicht wie ein weiterer lustlos heruntergekurbelter Aufguss, sondern tatsächlich so, als hätten sich die Verantwortlichen Gedanken darüber gemacht, wie man dieser alten Reihe noch einmal neues Leben einhauchen kann – was bei einer Filmserie über den Tod schon eine gewisse Ironie besitzt.
Dazu hat man sich, wie allerdings auch schon bei den vorherigen Teilen, erfreulich gute Schauspieler engagiert. Von ihnen kannte ich nur wenige, aber das Ensemble macht einen richtig guten Job. Niemand wirkt wie das übliche Kanonenfutter, das ausschließlich darauf wartet, möglichst spektakulär zerlegt zu werden. Gerade weil die Figuren diesmal familiär miteinander verbunden sind, funktionieren auch die emotionaleren Momente wesentlich besser.
Hier passt für mich einfach erstaunlich viel zusammen: eine gute Geschichte, klasse Effekte, sehr pfiffige Wendungen und eine starke Regie. Vor allem aber schafft es der Film, eine Reihe wieder interessant zu machen, bei der ich eigentlich davon ausgegangen war, dass längst alles erzählt wurde.
Vielleicht hat mir gerade deshalb FINAL DESTINATION: BLOODLINES so gut gefallen. Meine Erwartungen waren ziemlich niedrig und entsprechend groß war die Überraschung, dass ausgerechnet der inzwischen sechste Teil noch einmal zeigt, wie viel man aus dieser eigentlich simplen Grundidee herausholen kann.
Fazit: Für mich ist der Streifen eine der großen Überraschungen des Jahres und tatsächlich sogar einer der besten Filme, die ich 2026 gesehen habe. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet FINAL DESTINATION nach all den Jahren noch einmal dermaßen überzeugend zurückkehrt? Ich jedenfalls ganz sicher nicht.