Erdbeben
Katastrophenfilm
Regie: Tibor Takács
Kanada / 1990
Ich weiß gar nicht recht, wo ich bei dieser „Filmperle“ anfangen soll. Grundsätzlich geht es um die Eröffnung eines neuen Atomkraftwerks. Als man dieses ans Netz bringt, versagen die Sicherheitsvorkehrungen, und es droht eine atomare Katastrophe. Vorboten hierfür sind heftige Erdbeben, die die halbe Stadt und das Kraftwerk zerstören.
Hm, ich denke mal, das reicht als Inhaltsangabe, denn viel mehr passiert einfach nicht. Irgendwo in Kanada haben sich zwei Produzenten gedacht: Erdbeben hatten wir schon lange nimmer, und kaputte Kraftwerke (selbstverständlich in Russland, wie originell) gab’s im Film auch schon lange nicht mehr – also was machen wir? Wir nehmen beides und zaubern daraus einen Katastrophenreißer.
Hoi, tolle Idee. Also eine Katastrophe ist es geworden. Gratulation. Was hier an genreüblichen Klischees verbraten wurde, geht auf keine Kuhhaut.
Selbstverständlich ist der zuständige Mann aus L.A. der Ex-Mann der Sicherheitsbeauftragten, der Sohn wünscht sich ein Motorrad, die Eltern verbieten es – doch dann rettet er die Schwester, und einen maßgeblichen Anteil daran hat? Naaa? Jaaa, ein Motorrad. Hach, wie originell.
Dazu kommen noch „geschliffene“ Dialoge, die einem die Fußnägel aufrollen lassen. Kleines Beispiel gefällig?
Eingeschlossener Mann: „Öffnen Sie die Tür.“
Nicht eingeschlossener Mann: „Ich öffne die Tür.“
Eingeschlossener Mann (2 Sekunden später): „Öffnen Sie die Tür.“
Nicht eingeschlossener Mann: „Die Tür lässt sich nicht öffnen.“
Das riecht nach Oscar-Nominierung fürs beste Drehbuch.
Oder: Frau liegt in der U-Bahn, blutüberströmt und kann sich kaum bewegen. Die als „Retterin“ auserkorene Schülerin fragt: „Sind Sie verletzt?“
Das ist in etwa so, als würde ich einen Krebskranken im Endstadium fragen, wohin er in fünf Jahren in Urlaub fährt.
Überhaupt ist der Abschnitt in der U-Bahn der amüsanteste (wohl gemerkt, es handelt sich hierbei um keine Komödie).
Junge auf Motorrad will Schwester in der U-Bahn retten, die Polizei verfolgt ihn, weil er zu schnell fährt!!! Während die Evakuierung der Stadt eingeleitet wurde und die U-Bahn komplett eingestürzt ist, verfolgen sie ihn wegen Geschwindigkeitsüberschreitung!!!!
Halllllooooo? Wollt ihr mich denn komplett verarschen?
Tibor Takács, der mit The Gate immerhin einen echten Kulthorrorfilm in seiner Filmografie stehen hat, scheint dringend Geld gebraucht zu haben. Andernfalls wüsste ich nicht, wieso er so einen Mist dreht.
Die durchweg grottenschlechten Schauspieler vervollständigen das Schreckensszenario – allerdings das des ahnungslosen Zuschauers. Hat man sich irgendwann damit abgefunden, dass die 3 Euro Verleihgebühr weg sind, könnte der Film sogar Spaß machen, denn er ist wirklich so blöd, dass er teilweise den beknacktesten Horror-Trash überbietet.
Den Ausgang des Films verrate ich nicht. Der ist in etwa so offen wie ein Fußballspiel zwischen Brasilien und Tibet.