VIDEOTIE VHS SYSTEM
DOLLY
TRACKING...

DOLLY

Horror / Slasher

Regie: Rod Blackhurst

USA / 2025


Chase möchte seiner Freundin Macy während eines romantischen Wanderausflugs einen Heiratsantrag machen. Eigentlich könnte alles perfekt sein – dumm nur, dass die beiden versehentlich im Revier von Dolly landen: einem zentnerschweren, maskierten Monster mit einer äußerst ungesunden Vorliebe für Puppen. Vor allem für menschliche.

Das war es dann im Grunde auch schon mit der Zusammenfassung, denn viel mehr lässt sich kaum erzählen, ohne direkt sämtliche Überraschungen vorwegzunehmen. Die viel spannendere Frage lautet ohnehin: Ist es dem Regisseur gelungen, seinen eigenen Kurzfilm auf Spielfilmlänge auszudehnen? Und genau diese Frage lässt sich ehrlich gesagt gar nicht so leicht beantworten, denn DOLLY macht einiges richtig, hat aber durchaus auch seine Schwächen.

Am Anfang war ich tatsächlich überzeugt davon, dass der Film in den 70er Jahren spielt. Der Look, die Kleidung, die ganze Atmosphäre – das wirkte alles wie eine direkte Zeitreise in die Hochzeit des dreckigen Hinterwäldler-Horrors. Doch spätestens als Madame plötzlich ihr Smartphone zückt und gemütlich einen Videocall startet, war klar: Das Ganze ist lediglich eine bewusste Hommage an die Horrorfilme der 70er- und 80er-Jahre. Und zwar ziemlich offensichtlich an Werke wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder MUTTERTAG.

Sieht man den Film genau aus dieser Perspektive, funktioniert er erstaunlich gut. Die Optik wurde liebevoll aufgearbeitet, inklusive kleiner Bildfehler und künstlicher Abnutzungsspuren, die den Eindruck vermitteln sollen, man hätte gerade irgendeine vergessene VHS-Kassette aus einem staubigen Videotheken-Regal gezogen. Und ehrlich gesagt klappt das besser, als ich erwartet hätte. Sobald das Handy aus der Handlung verschwindet, gibt es kaum noch etwas, das auf einen modernen Horrorfilm hinweist.

Die entscheidende Frage bleibt allerdings: Braucht man sowas heute überhaupt noch? Vermutlich richtet sich der Film klar an die etwas ältere Horrorfraktion, die mit diesen Filmen aufgewachsen ist. Die typische Blumhouse-Jumpscare-Generation dürfte mit dem Streifen dagegen vermutlich eher wenig anfangen können, weil hier eben nicht alle drei Minuten irgendein Dämon ins Bild springt und laut ins Mikrofon brüllt.

Dolly selbst hat dabei definitiv nicht mehr alle Latten am Zaun. Sie möchte offenbar unbedingt wieder ein Kind haben, nachdem das vorherige entweder gestorben ist oder von ihr selbst umgebracht wurde – so ganz eindeutig wird das nicht erklärt. Warum sie dabei ausgerechnet diese merkwürdige Maske trägt, behält der Regisseur ebenfalls lieber für sich. Wahrscheinlich sah es einfach cooler aus als eine normale Schauspielerin mit traurigem Blick.

Insgesamt ist der Film aber durchaus ordentlich geworden und überraschend brutal. Das muss man natürlich mögen. Ich selbst bin nun wirklich kein riesiger Splatterfan, aber hier passt die Härte immerhin halbwegs zur dreckigen Atmosphäre. Auch die Darsteller machen ihre Sache besser als erwartet und selbst Sean William Scott kann man tatsächlich erstaunlich gut ertragen, für den das hier schon fast eine schauspielerische Höchstleistung darstellt.

So bleibt letztendlich eine ziemlich gelungene Hommage an die Anfänge des Horrorfilms der 70er- und 80er-Jahre, aus denen damals Figuren wie Michael Myers, Jason Voorhees oder Leatherface hervorgingen. Während jüngere Zuschauer vermutlich eher gelangweilt aufs Handy schauen werden, dürften ältere Genrefans durchaus ihren Spaß daran haben und vermutlich sogar auf eine Fortsetzung hoffen.

Und ehrlich gesagt halte ich einen zweiten Teil ungefähr für so sicher wie die Tatsache, dass Curaçao nicht Fußball-Weltmeister wird.

Was bedeuten die Chuckys?