DIE EINWILLIGUNG
Drama / Biopic
Regie: Vanessa Filho
Frankreich / Belgien / 2023
Paris, 1985: Der prominente Autor Gabriel Matzneff wird von der kulturellen Elite des Landes hofiert. Als die heranwachsende Vanessa zufällig seine Bekanntschaft macht, verzaubert er sie mit seinem intellektuellen Charme. Doch Matzneff hegt ganz andere Absichten und drängt Vanessa zunehmend in ein sexuelles Verhältnis, das für das junge Mädchen schwerwiegende Konsequenzen hat.
Eine wahre Geschichte, die Frankreich erschütterte und auch in Deutschland für Schlagzeilen sorgte: DIE EINWILLIGUNG greift ein brisantes Thema auf, dessen Aktualität leider ungebrochen ist. Als Adaption des Bestsellers LE CONSENTEMENT lockte der Film in Frankreich mehr als 600.000 Zuschauer in die Kinos.
… lobt zumindest der Pressetext.
Ich persönlich tue mich mit der pauschalen Einordnung von Beziehungen aufgrund eines Altersunterschieds grundsätzlich etwas schwer. Ich kenne beispielsweise ein Paar, bei dem er 64 und sie 29 ist – und die beiden sind seit mittlerweile neun Jahren zusammen. Warum auch nicht? Beide sind erwachsene Menschen und können selbst entscheiden, mit wem sie ihr Leben verbringen möchten.
Bei einer 14-Jährigen sieht die Sache für mich allerdings vollkommen anders aus. Ich war selbst einmal mit 21 in ein 14-jähriges Mädchen verknallt. Gefühle lassen sich nun einmal nicht auf Bestellung an- und ausschalten. Entscheidend ist aber, was man daraus macht. Und zwischen einem 21-Jährigen, der sich verliebt, und einem Mann jenseits der 50, der gezielt eine sexuelle Beziehung zu einer Minderjährigen eingeht und dabei seine deutlich stärkere Position ausnutzt, liegt für mich ein gewaltiger Unterschied. Genau um diese Konstellation geht es schließlich in DIE EINWILLIGUNG.
So viel zu meiner persönlichen Meinung zu dem Thema – jetzt zum Film.
Schon eine kurze Recherche zeigt, dass der geschilderte Fall keineswegs eine Erfindung des Drehbuchs ist. Die Geschichte wurde zudem weitgehend nüchtern und glaubwürdig umgesetzt. Vor allem die beiden Hauptdarsteller meistern ihre teilweise ausgesprochen schwierigen Rollen überzeugend. Gerade weil der Film bei seinem Thema schnell in platte Schwarz-Weiß-Zeichnung hätte abrutschen können, ist die überwiegend zurückhaltende Inszenierung durchaus eine Stärke.
Allerdings ist Matzneff nun einmal Schriftsteller, und offenbar sah man sich deshalb verpflichtet, ihm regelmäßig möglichst pathetische und bedeutungsschwangere Sätze in den Mund zu legen. Wenn dann Weisheiten wie „Ich beherrsche die Kunst der Liebe“ oder „Eine Kultur ohne Seele kommt dem Verfall gleich“ durch den Raum schweben, rollen sich mir schon ein wenig die Zehennägel hoch.
Ja, ich habe verstanden: Der Mann ist gebildet, belesen und kann sich gewählt ausdrücken. Das muss man mir allerdings nicht alle zehn Minuten erneut mit dem literarischen Vorschlaghammer ins Gedächtnis prügeln. Spätestens nach dem fünften dieser Sätze geht einem das Ganze dann doch ziemlich auf den Zeiger und wirkt weniger intelligent als vielmehr unfreiwillig selbstverliebt.
Auch die Reaktionen der Mutter erscheinen mir nicht immer wirklich stringent. Zunächst möchte sie ihre Tochter am liebsten vor die Tür setzen, wenig später wird der wesentlich ältere Liebhaber aber offenbar mehr oder weniger selbstverständlich zum Essen eingeladen.
Handwerklich kann man DIE EINWILLIGUNG dagegen kaum etwas vorwerfen. Ausstattung, Kamera und die Darstellung der Zeit funktionieren, die Schauspieler überzeugen und das schwierige Thema wird nicht unnötig sensationslüstern ausgeschlachtet. Gerade bei einem Stoff wie diesem ist das sicherlich die richtige Entscheidung.
Trotzdem zieht sich der Film an einigen Stellen merklich. Mir ist durchaus bewusst, dass man aus einer solchen Geschichte keinen klassischen Thriller machen sollte. Ein wenig mehr dramaturgische Zuspitzung hätte der Inszenierung aber nicht geschadet. Nicht im Sinne künstlich erfundener Action, sondern durch stärker herausgearbeitete Konflikte und Situationen, in denen die zunehmende Abhängigkeit und das Machtgefälle zwischen den Figuren noch deutlicher spürbar werden.
Fazit: So bleibt ein handwerklich guter und überzeugend gespielter Film über einen bemerkenswerten realen Fall, der mich emotional allerdings weniger gepackt hat, als es das Thema eigentlich vermuten lässt.