DEAD OF WINTER
Action / Thriller
Regie: Brian Kirk
USA / Deutschland / Kanada / 2025
Nach dem Tod ihres Mannes Karl macht sich die Witwe Barb auf den Weg, um seinen letzten Wunsch zu erfüllen: Seine Asche soll im abgelegenen Lake Hilda im Norden Minnesotas verstreut werden – genau dort, wo die beiden einst ihr erstes Date hatten. Wie Barb selbst war auch Karl ein leidenschaftlicher Eisfischer, weshalb die Reise für sie gleichzeitig Abschied und Erinnerung an die gemeinsame Zeit bedeutet.
Am See angekommen, hört Barb plötzlich Schreie und entdeckt die junge Leah, die mit gefesselten Händen versucht, vor eben jenem Mann zu fliehen. Die Flucht endet allerdings ziemlich schnell und Leah wird wieder eingefangen. Spätestens jetzt ist klar, dass Barb nicht nur zufällig über ein paar merkwürdige Hinterwäldler gestolpert ist: Der Mann und seine Partnerin haben die junge Frau entführt und offenbar nichts sonderlich Freundliches mit ihr vor.
Wie Frau Thompson das Ganze verhindern will, sieht man dann im Rest des Films, der im Internet teilweise deutlich schlechter bewertet wird, als er es meiner Meinung nach verdient hätte. Vor allem manche Begründungen für die Bewertungen sind schon ziemlich hanebüchen.
Wer erwartet, dass Madame nun plötzlich in bester STIRB-LANGSAM-Manier durch den Schnee marschiert, sämtliche Bösewichte vermöbelt und nebenbei noch ein paar coole Sprüche klopft, dürfte natürlich enttäuscht werden. Aber genau das ist für mich eine der Stärken des Films. Barb ist eben keine ausgebildete Killerin und auch keine ehemalige Geheimagentin, die zufällig seit 30 Jahren auf diesen Moment gewartet hat.
Im Gegenteil: Gerade ihre Hilflosigkeit, ihre körperlichen Grenzen und teilweise auch ihre Naivität machen die Figur interessant. Sie trifft nicht immer die cleverste Entscheidung und gerät dadurch selbst immer wieder in gefährliche Situationen.
Dadurch wirkt das Ganze zumindest innerhalb seines etwas ungewöhnlichen Szenarios erstaunlich glaubwürdig. Barb muss improvisieren und mit dem arbeiten, was ihr zur Verfügung steht. Gerade weil sie ihren Gegnern körperlich deutlich unterlegen ist, funktionieren einige Situationen sogar besser, als wenn man hier wieder irgendeine unverwundbare Actionheldin ins Rennen geschickt hätte.
Emma Thompson selbst habe ich jedenfalls noch nie in einem solchen Thriller gesehen. Solange sie Filme dreht, verbindet man sie schließlich eher mit Komödien, Dramen und anspruchsvolleren Produktionen. Umso überraschender ist, wie problemlos sie den Sprung in dieses Genre schafft. Man nimmt ihr die trauernde Witwe ebenso ab wie die Frau, die irgendwann merkt, dass Wegschauen keine Option mehr ist.
Dazu gibt es wunderschöne, eisige Landschaftsbilder, die fast schon einen eigenen Charakter entwickeln. Die verschneite Einöde sieht einerseits fantastisch aus, vermittelt andererseits aber permanent das Gefühl völliger Isolation. Wenn dort etwas schiefgeht, kommt eben nicht fünf Minuten später zufällig die nächste Polizeistreife vorbei.
Fazit: Solider, atmosphärischer Thriller mit einer für dieses Genre ungewöhnlichen Hauptfigur und einer überzeugenden Emma Thompson.