CRUISING
Thriller / Krimi
Regie: William Friedkin
USA / 1980
Von der Kritik zerrissen, von Teilen der Öffentlichkeit boykottiert: CRUISING war 1980 einer der größten Filmskandale seiner Zeit. Regielegende William Friedkin, der mit DER EXORZIST Filmgeschichte geschrieben hatte, wagte sich an einen düsteren Thriller, der tief in die damalige Leder- und S&M-Szene New Yorks eintauchte – und damit zahlreiche Kontroversen auslöste.
Eine brutale Mordserie erschüttert die Straßen New Yorks. Immer wieder werden homosexuelle Männer auf grausame Weise ermordet, doch der Polizei fehlen jegliche Hinweise auf den Täter. Der junge Polizist Steve Burns erhält deshalb den Auftrag, undercover in die S&M-Szene einzutauchen. Je tiefer er in diese fremde Welt aus Sexualität, Gewalt und Obsession eindringt, desto mehr verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen seiner Rolle und seiner eigenen Identität.
Ein Skandal? Ehrlich gesagt kann ich das heute nur noch bedingt nachvollziehen. Ich erkenne hier keinerlei homophobe Botschaft. Der Film spielt nun einmal in einer ganz bestimmten Subkultur – nämlich der damaligen Leder- und S&M-Szene – und nicht im Alltag homosexueller Menschen allgemein. Vielleicht wurde 1980 einfach deutlich empfindlicher auf dieses Thema reagiert, als man es heute tun würde.
Interessanterweise spendete Al Pacino seine komplette Gage für den Film, weil er sich im Nachhinein mit seiner Beteiligung unwohl fühlte. Auch das kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Der Film macht sich über niemanden lustig und verurteilt auch niemanden. Er nutzt lediglich ein ungewöhnliches Milieu als Schauplatz für einen Kriminalthriller.
Für mich war CRUISING eine Erstsichtung und ich muss sagen, dass ich durchaus angetan war. Vor allem Al Pacino überzeugt in einer Rolle, die für ihn damals eher ungewohntes Terrain darstellte. Seine zunehmende Verunsicherung und die innere Zerrissenheit seiner Figur bringt er ausgesprochen glaubwürdig auf die Leinwand. Auch Paul Sorvino liefert als Vorgesetzter eine gewohnt starke Vorstellung ab.
William Friedkin hatte sich mit DER EXORZIST ohnehin längst ein Denkmal gesetzt und bewies auch danach immer wieder, dass er außergewöhnliche Thriller inszenieren konnte. Erst in den 90er-Jahren ließ seine Trefferquote für meinen Geschmack etwas nach, bevor seine Filmografie schließlich in eher dusseligen Werken wie BUG oder DAS KINDERMÄDCHEN mündete.
Fazit: Erstaunlich gut gealterter Thriller mit einer interessanten Geschichte, starken Darstellern und einer dichten Atmosphäre. Den Ruf eines angeblich homophoben Skandalfilms kann ich aus heutiger Sicht jedenfalls überhaupt nicht nachvollziehen.





