BAMBOO REVENGE
Horror / Thriller
Regie: Edgar Marie
Frankreich / 2025
Nach einer ausgelassenen Nacht erwachen Victor, Sam und Jules gefesselt auf einer einsamen Lichtung mitten im Wald. Verwirrt und ohne Erinnerung daran, wie sie dorthin gelangt sind, sehen sie sich plötzlich Eve gegenüber. Sie ist überzeugt, dass die drei etwas mit dem rätselhaften Verschwinden ihrer Schwester Iris während der letzten heißen Partynacht zu tun haben.
Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, greift Eve zu einer ebenso ungewöhnlichen wie tödlichen Methode: Sie nutzt den MOSO, eine Bambusart, die innerhalb von nur 24 Stunden mehr als einen Meter wachsen kann. Den Gefangenen bleibt kaum Zeit. Entweder sie gestehen – oder die rasend schnell wachsenden, messerscharfen Bambustriebe werden ihnen zum tödlichen Verhängnis.
Wem so eine Geschichte einfällt, der muss eine schwere Kindheit gehabt haben, denn auf so etwas muss man erst einmal kommen. Menschen mithilfe von Bambus zu foltern, dürfte jedenfalls nicht unbedingt zu den alltäglichen Einfällen eines Drehbuchautors gehören.
Aber jetzt kommt's: Diese Pflanze gibt es tatsächlich! Und sie wächst wirklich in einem derart beeindruckenden Tempo. Ich konnte es beim Googeln selbst kaum glauben. Insofern ist die ganze Prämisse deutlich weniger dämlich, als man zunächst annehmen könnte. Man lernt eben nie aus. Wer hätte gedacht, dass ein Horrorfilm auch noch zur botanischen Weiterbildung beitragen kann?
Die Geschichte beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf die drei bedauernswerten Gestalten, die sich mit dem ziemlich unangenehmen Grünzeug herumschlagen müssen. In zahlreichen Rückblenden bekommen wir nach und nach die Ereignisse jener verhängnisvollen Partynacht serviert. Dabei gibt es immerhin die eine oder andere Wendung, mit der man nicht unbedingt gerechnet hätte.
Das funktioniert sogar erstaunlich ordentlich, denn der Film versteht es durchaus, seine Informationen so zu verteilen, dass man als Zuschauer eine Weile im Dunkeln tappt. Wer hat was getan? Wer verschweigt etwas? Und was ist mit der verschwundenen Iris tatsächlich passiert? Fragen, die im Laufe der Handlung Stück für Stück beantwortet werden.
Auch die Auflösung ist überraschend clever geraten und zeigt, dass sich die Drehbuchautoren durchaus Gedanken gemacht haben. Das ist bei einer Geschichte, deren Hauptattraktion aus mörderischem Bambus besteht, schließlich nicht unbedingt selbstverständlich.
Natürlich sollte man nicht jede Kleinigkeit auf die Goldwaage legen. Gerade bei der Umsetzung der Bambus-Folter darf man sich die eine oder andere Frage nach der tatsächlichen Funktionsweise stellen. Aber wer bei einem Horrorfilm mit dieser Ausgangslage wissenschaftliche Präzision erwartet, hat vermutlich ohnehin das falsche Genre erwischt.
Immerhin nehmen die Macher ihre Geschichte ernst genug, um daraus mehr zu machen als einen einzigen, über die gesamte Laufzeit ausgewalzten Gag. Auch die Schauspieler liefern eine ganz ordentliche Vorstellung ab. Keine Leistungen, für die demnächst jemand einen Oscar abholen dürfte, aber durchaus überzeugend genug, um die ungewöhnliche Geschichte einigermaßen glaubwürdig zu verkaufen.
Fazit: Wieso eigentlich nicht? Kann man sich durchaus anschauen! Die Mischung aus Krimi und Horror funktioniert erstaunlich gut, die Rückblenden halten die Geschichte am Laufen und die Auflösung ist cleverer, als ich es nach der ziemlich bekloppten Ausgangsidee erwartet hätte.