Wer tötete Bambi?

Thriller

Regie: Gilles Marchand

Frankreich / 2003


So kann man sich von Covertexten täuschen lassen. „Die junge Krankenschwester Isabelle erleidet einen Ohnmachtsanfall … Im Krankenhaus beginnt ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel.“ Na, das klingt doch ganz interessant – sollte man meinen.

Weit gefehlt. Denn alles in diesem Text ist zwar nicht komplett gelogen, aber doch stark beschönigt. Bis Madame überhaupt einmal in Ohnmacht fällt, sind bereits stramme 25 Minuten vergangen, die ausschließlich aus sinnlosem, banalstem Krankenschwester-Geplapper bestehen.

Dass sich „Bambi“ von dem Arzt angezogen fühlt, kann man ebenfalls nur erahnen, denn ihre schmachtenden Blicke in Richtung ihres Freundes sind deutlich eindeutiger. Oder sollten mir im Halbschlaf hochgradig erotische Avancen entgangen sein?

Bis schließlich die erste der erwähnten Patientinnen verschwindet, vergehen unfassbare, quälend lange 55 Minuten. Und das angeblich tödliche Katz-und-Maus-Spiel entspricht nicht einmal ansatzweise einem handelsüblichen Showdown aus einem Steven-Seagal-Film.

Merkwürdig ist auch, dass der Arzt von sämtlichen weiblichen Wesen der Station angehimmelt wird, seine sexuellen Abenteuer dann aber ausgerechnet mit schlafenden Patientinnen auslebt. Herrgott, dann hätte er eben reihenweise die Schwestern flachlegen sollen – das Ganze wäre zumindest ein halbwegs brauchbarer Porno geworden.

Aber so? Ein Thriller? Wo bitte war hier auch nur ansatzweise der Thrill?

Auf der Rückseite prangt zudem in orangenen Lettern das schicke ZDF-Logo. Der Sender hatte bei dieser Produktion offenbar seine Finger im Spiel. Wenn man bedenkt, aus welcher Altersklasse das Kernpublikum dieser Institution stammt, weiß man auch, wohin die Reise geht.

Diese Menschen müssen vermutlich schon bei einer neuen Folge von Der Alte die Dosis ihrer Herzpillen verdoppeln, um die Spannung zu verkraften. Genau diese Zielgruppe könnte Wer tötete Bambi? vielleicht tatsächlich als nervenaufreibend empfinden.

Die Hauptdarstellerin macht ihre Sache gar nicht mal so übel und verkörpert ihre Rolle durchaus glaubwürdig. Dr. Philipp hingegen wackelt vollkommen unerotisch wie ein ungelenker Stelzbock durch die Szenerie, während die restlichen Krankenschwestern dem armen Zuschauer mit ihrem Dauergegacker endgültig den letzten Nerv rauben.

Entsetzen befällt mich allerdings beim Lesen der damaligen Kritiken. Der zuständige Premiere-Rezensent muss für seine Aussage „Der Geist Hitchcocks verknüpft mit Lynchs Atmosphäre“ wohl eine stattliche Summe kassiert haben. Diese Beschreibung hat mit dem Film ungefähr so viel zu tun wie Angela Merkel mit einer Favoritenrolle bei der nächsten Miss-Deutschland-Wahl.

Fazit: 110 Minuten gähnende Langeweile. Und wem das noch nicht reicht, der kann sich auch den Director’s Cut auf der Bonus-Disk antun. Na dann: gute Nacht.

Was bedeuten die Chuckys?