THE BACKROOMS
Horror / Mystery / Science-Fiction
Regie: Kane Parsons
USA / Kanada / 2026
Der Mythos der sogenannten „Backrooms“ entstand 2019 als Internetphänomen, fand schnell weltweit Fans und wurde über die Jahre immer weiterentwickelt. Kane Parsons erster Beitrag dazu entstand vor vier Jahren: Mit dem Kurzfilm THE BACKROOMS, der seitdem auf YouTube über 72 Millionen Mal aufgerufen wurde, gelang ihm als damals 16-Jährigem ein Riesenhit. Bis heute hat er mit seinen „Backrooms“-Beiträgen auf YouTube insgesamt über 100 Millionen Menschen erreicht. Den Kinofilm THE BACKROOMS drehte Parsons nun für A24 nach einem Drehbuch des renommierten Autors Will Soodik.
So, und jetzt habe ich also die zweifelhafte Ehre zu beurteilen, ob dieser Streifen vollkommener Schrott ist – habe ich mehrfach gehört – oder ein genialer Horrorfilm der Neuzeit – habe ich ebenfalls mehrfach gehört. Nach Sichtung des Films lande ich ehrlich gesagt ziemlich genau in der Mitte.
Atmosphärisch gibt es hier nämlich absolut GAR nichts zu meckern. Die Kamera, die zwischendurch auch immer wieder in die subjektive Perspektive wechselt, schafft in Verbindung mit dem wirklich scary Soundtrack eine teilweise grandiose Stimmung. Diese endlosen, menschenleeren Räume funktionieren auf der großen Leinwand hervorragend und erzeugen genau dieses unangenehme Gefühl, das die Backrooms überhaupt erst zu einem derartigen Internetphänomen gemacht hat.
Überhaupt hat der Streifen unfassbar gute Momente. Szenen, bei denen man wirklich angespannt vor dem Bildschirm sitzt und sich fragt, was hinter der nächsten Ecke wartet – oder ob dort überhaupt irgendetwas wartet. Teilweise braucht der Film dafür nicht einmal ein Monster. Die Umgebung selbst reicht völlig aus, um ein Gefühl permanenter Bedrohung zu erzeugen.
Aber viele gute Momente machen eben noch keinen guten Film, und genau das zeigt sich hier ziemlich deutlich.
Immer wieder wird die zuvor mühsam aufgebaute Spannung herausgenommen, wodurch THE BACKROOMS einen ziemlich wechselhaften Rhythmus bekommt. Gerade wenn man glaubt, dass einen der Film jetzt endgültig gepackt hat, nimmt er wieder den Fuß vom Gas oder wirft einem irgendeine Szene vor die Füße, bei der man sich fragt, was das nun eigentlich sollte.
Dazu herrscht ein permanenter Erklärungsnotstand. Natürlich ist das gewollt. Schließlich soll sich der Zuschauer „selbst seine Gedanken machen“. Diesen Satz kann ich mittlerweile allerdings auch nicht mehr hören. Es gibt für mich einen Unterschied zwischen einem Film, der bewusst Fragen offenlässt, und einem Film, bei dem ich irgendwann einfach nicht mehr weiß, was zur Hölle da eigentlich gerade passiert.
Ich gebe jedenfalls völlig schmerzfrei zu: Die letzten 30 Minuten habe ich nicht wirklich verstanden. Aber hey, ich bin ja auch Kunstbanause – das ist mir schließlich schon häufiger aufgefallen. Vielleicht gibt es irgendwo jemanden, der mir in einem 47-minütigen YouTube-Video erklären kann, warum das alles unglaublich tiefgründig ist.
Der eigentliche Abschluss ist dann wiederum durchaus stimmig und hat mir gefallen. Aber davor? Was sollte beispielsweise dieser Quark in der Küche? Vielleicht steckt dahinter eine unglaublich ausgeklügelte Metapher über die menschliche Existenz. Vielleicht war es aber auch einfach nur Quark in einer Küche.
Und genau dieses Hin und Her zieht sich für mich durch den gesamten Film. Auf eine wirklich starke Szene folgt etwas, das mich vollkommen ratlos zurücklässt. Dann gibt es wieder eine Einstellung oder eine Soundkulisse, bei der ich denke: Verdammt, ist das gut gemacht. Nur um wenige Minuten später erneut den Faden zu verlieren.
Natürlich hat man mit den Backrooms gleichzeitig eine Welt geschaffen, die theoretisch noch 100 Fortsetzungen nach sich ziehen könnte. Diese Räume können schließlich überall auf der Welt existieren und die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt. Sollte der Film also erfolgreich sein, muss sich A24 um zukünftigen Nachschub vermutlich keine großen Gedanken machen.
Was man allerdings wirklich anerkennen muss: Kane Parsons war bei den Dreharbeiten gerade einmal 19 Jahre alt. Dafür ist es schon verdammt beeindruckend, eine derart große Produktion zu stemmen. Vor allem sieht man dem Film das junge Alter seines Regisseurs überhaupt nicht an. THE BACKROOMS wirkt visuell absolut professionell und keineswegs wie der überdimensionierte Versuch eines YouTubers, plötzlich einen Kinofilm drehen zu wollen.
Fazit: Geniale Momente wechseln sich mit Szenen ab, die für mich teilweise völliger Stuss sind. Entsprechend schwer fällt mir die Bewertung. Ich schwanke tatsächlich zwischen mehreren Noten. Weil mir die Atmosphäre, die Optik und einige wirklich starke Horrormomente ausgesprochen gut gefallen haben, bekommt der Film am Ende sicherlich einen kleinen Bonus. Insgesamt hätte aus dieser faszinierenden Grundidee für meinen Geschmack aber noch wesentlich mehr werden können.