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Wochenendrebellen

Drama / Tragikomödie

Regie: Marc Rothemund

Deutschland / 2023


Als Mircos Familie geraten wird, eine Förderschule für Jason, den zehnjährigen autistischen Sohn, zu suchen, ist auch Mirco, der beruflich ständig unterwegs ist, überfordert. Jason verspricht, sich in der Schule nicht mehr provozieren zu lassen, wenn Mirco ihm hilft, seinen Lieblingsfußballverein zu finden.

Dabei hat er allerdings sehr individuelle Kriterien, und so begeben sich Vater und Sohn auf eine außergewöhnliche Reise durch Deutschland …

Wer mich kennt, weiß, dass ich dem deutschen Film durchaus zugeneigt bin und der Meinung bin, dass sein Ruf deutlich schlechter ist als die Produkte, die er abliefert. Insbesondere im Thriller-Bereich hat dieses Land wirklich Gutes zu bieten – und nicht nur nervige Schweiger- und Schweighöfer-Komödien, die dieses Land so lange repräsentiert haben.

Nun liegt hier aber ein Film vor, den man wohl als Tragikomödie einordnen würde – nicht wirklich eines meiner bevorzugten Genres, da genau das die Deutschen meiner Meinung nach nicht besonders gut können. Umso erstaunlicher, dass Regisseur Rothemund hier wirklich der Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit gelingt.

Was der kleine Cecilio Andresen in der Rolle des Jason abliefert, ist phänomenal, und ich würde ihm hierfür sofort eine Auszeichnung verleihen (genug haben wir ja in Deutschland davon). Beim Dreh war dieser Kerl knapp 11 Jahre alt – und wie er die Texte rüberbringt, die selbst für erwachsene Schauspieler schwierig wären, kombiniert mit dieser Mimik, ist schon großes Kino.

Dagegen ist Florian David Fitz fast nur Stichwortgeber und im Moment auch etwas überpräsent auf der Leinwand, denn der Junge spielt selbst schauspielerische Größen wie Joachim Król locker an die Wand.

„Basierend auf einer wahren Geschichte“ ist in den letzten Jahren nicht wirklich eine Auszeichnung gewesen, da man diese oft mit so viel Fantasie angereichert hat, dass kaum noch etwas von der Realität übrig blieb. Hier ist das anders.

Das liegt daran, dass der echte Jason und sein Vater jede Szene dieses Films „kontrolliert“ und permanent Verbesserungen und Anregungen gegeben haben, wie man in den Extras erfährt. So bleibt der Film wohl sehr nahe an der Realität, die man an manchen Stellen kaum glauben kann.

Insbesondere der Ausflug nach Riga schien mir sehr konstruiert – hat aber tatsächlich so stattgefunden.

Was mich allerdings interessieren würde: Wie Jason an das ganze Wissen gelangt ist, das er hier zum Besten gibt. Auch ein sehr intelligenter Junge muss sich das ja irgendwo angelesen haben. Dieser Aspekt bleibt mir ein wenig unbeleuchtet.

Trotzdem bleibt unter dem Strich ein wirklich herzerwärmender Film, der auch den Eltern autistischer Kinder zeigen soll, dass man diese nicht aufgeben darf – auch wenn es manchmal schwerfällt oder direkt nach der Diagnose besonders schwierig ist.

Da verzeihe ich sogar dem echten Jason sein anstrengendes Gegendere in den Extras – und das will schon was heißen.

Was bedeuten die Chuckys?