The Substance
Satire / Horror / Sci-Fi
Regie: Coralie Fargeat
USA / Frankreich / 2024
Elisabeth Sparkle, eine ehemalige A-Prominente, die ihre Blütezeit längst hinter sich hat, wird vom widerlichen Fernsehchef Harvey aus ihrer eigenen Fitness-Fernsehsendung gefeuert. Da ergreift sie die Chance, die ihr eine mysteriöse neue Droge bietet: THE SUBSTANCE. Eine einzige Injektion genügt, und sie wird – vorübergehend – als wunderschöne Mittzwanzigerin namens Sue wiedergeboren. Die einzige Regel? Sie müssen sich die Zeit teilen: genau eine Woche in einem Körper, dann eine Woche im anderen. Ohne Ausnahme. Die perfekte Balance. Was kann schon schiefgehen?
Wie man im Laufe der 140 Minuten sieht: so einiges. Denn Madame hat irgendwann überhaupt keine Lust mehr, ihr schönes Leben immer wieder für eine Woche zu unterbrechen – zumal es beruflich und privat ausgezeichnet läuft.
Was uns Coralie Fargeat hier kredenzt, sind rund 110 Minuten glänzende Gesellschaftssatire und Abrechnung mit dem Schönheitswahn, kombiniert mit Zutaten des Horrorfilms und garniert mit einigen Momenten, in denen man tatsächlich lachen muss. Alleine die zehn Minuten, in denen Demi Moore kocht, sind wirklich grandios.
Überhaupt muss ich mich hier ausnahmsweise mal den Kritikern anschließen, denn Demi Moore war für mich immer eher überbewertet. Lediglich in EINE FRAGE DER EHRE konnte sie glänzen – vor allem wegen des starken restlichen Casts. Später wurde ihre Rollenauswahl eher schlecht bis peinlich, mit den vollkommen beknackten STIPTEASE und dem tumben DIE AKTE JANE als unrühmliche Höhepunkte. Ab da habe ich sie nicht mehr wirklich beachtet.
Doch hier spielt sie sich wirklich die Seele aus dem Leib und schlägt alle Mitbewerber um Längen. Ich hätte ihr für diese Darstellung definitiv den Oscar gegeben. Dagegen wirkt Margaret Qualley eher blass, und es erschließt sich mir auch nicht, warum alle so auf sie abfahren – für die Rolle wären mir locker zehn andere vorher eingefallen.
Optisch bekommt man hier vielleicht das beeindruckendste Werk seit BLADE RUNNER 2049 geboten – auch wenn die Filme aus völlig unterschiedlichen Genres stammen. Aber was Fargeat hier auffährt, ist schlicht sensationell. Die Farben, der Einsatz der Kamera aus allen möglichen Perspektiven, selbst bei kleinsten Szenen, und die teilweise fast surrealistischen Elemente vereinen sich zu einem optischen Kunstwerk.
Nun wird der aufmerksame Leser feststellen, dass ich oben von 110 Minuten gesprochen habe, obwohl der Film tatsächlich rund 140 Minuten dauert. Und genau da liegt das Problem: Im letzten Drittel verlässt die Regisseurin ihr bis dahin nahezu perfektes Terrain, um ihre Leidenschaft für David Cronenberg hemmungslos auszuleben – und überzeichnet das Szenario völlig.
Ich kann nicht wirklich verstehen, warum sie das so gnadenlos überzieht, denn es passt einfach nicht mehr wirklich zu dem, was wir zuvor gesehen haben – auch wenn einige das Gegenteil behaupten.
Die letzten fünf Minuten hingegen schlagen wieder den Bogen zum Anfang und bieten einen wirklich gelungenen Abschluss. Diese Orgie aus Blut und Gedärmen davor ist aus meiner Sicht allerdings nicht zielführend – und schon sind die 10 Punkte, zu denen ich mich beinahe hätte hinreißen lassen (passiert alle fünf Jahre mal), im Mülleimer versenkt.
Überhaupt ist eine Gesamtbewertung schwierig, da wir hier eigentlich zwei Filme sehen – auch wenn der zweite nur ein überlanger Exzess ist, reicht es, um den Gesamteindruck spürbar zu schmälern.
Ich gebe am Ende, auch aufgrund der wirklich formidablen Optik, 8 Punkte. Aber hier gilt ganz klar: Weniger wäre mehr gewesen.
Fazit: Origineller, bunter und optisch brillanter Film, dem auf der Zielgeraden ein wenig die Luft ausgeht und der versucht, das mit Ekeleffekten zu kaschieren – was leider nur bedingt funktioniert. Trotzdem: Demi Moore ist hier schlicht grandios.