The Hidden
Thriller / Drama
Regie: Jack Sholder
USA / 2015
Der 21-jährige Colson gelangt nach fünf Jahren Haft endlich wieder in Freiheit. Obwohl er damals einen Mord beging, griff das Jugendstrafrecht, wodurch ihm einige Jahre Gefängnis erspart blieben, die bei einem Erwachsenen fällig gewesen wären.
Sein älterer Bruder Eric nimmt ihn gegen den Willen seiner Frau bei sich auf und besorgt ihm einen Job. Nach anfänglichem Misstrauen erkennt Gattin Renee jedoch, dass dieser schüchterne junge Mann kaum zu einem Mord fähig gewesen sein kann.
Also beginnt sie, bei den Angehörigen des damaligen Opfers nachzuforschen und kommt der Wahrheit langsam näher – einer Wahrheit, die auch ihr eigenes, bislang glückliches Leben zerstören könnte.
Das ist für einen Thriller keine schlechte Ausgangslage, zumal der Zuschauer ebenso wie Renee die wahren Geschehnisse nur häppchenweise serviert bekommt. Leider ist das Ganze dermaßen laaaaaaaaaaaaangatmig inszeniert, dass einem dabei fast die Augen zufallen.
Vom Wort „Tempo“ scheint Regisseur Wagner noch nie etwas gehört zu haben – zumal er danach auch keinen weiteren Film mehr gedreht hat. Immer dann, wenn sich die Möglichkeit böte, endlich etwas Schwung in die Handlung zu bringen, wird das Tempo erneut gedrosselt. Wie soll so ein Film bitte Spannung aufbauen?
Übrigens: Auch wenn bei der OFDb „Drama“ steht, soll das hier ganz klar ein Thriller sein. Die entsprechenden Ansätze sind durchaus vorhanden, ebenso wie einige Wendungen gegen Ende, die gar nicht mal unoriginell, wenn auch etwas weit hergeholt sind. Der völlig fehlende Esprit lässt das Interesse des Zuschauers jedoch schnell erlahmen.
Schauspielerisch bekleckert sich hier niemand mit Ruhm. Besonders der Darsteller des scheuen Colson wirkt, als hätte er eine ganze Packung Valium eingeworfen. Das soll vermutlich seine Unschuld unterstreichen, wirkt aber eher ermüdend. Es sei denn, er fand den Film genauso langweilig wie der Rezensent.
Als wäre das noch nicht genug, wird man zusätzlich mit einer grauenhaften Synchronisation gequält. Die Stimmen passen teilweise überhaupt nicht zu den Figuren und wirken genauso steif wie die gesamte Inszenierung.
Angeblich wurde der Film in Avignon und New York für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Das kann ich sogar nachvollziehen, denn der Plot ist durchaus solide. Die Juroren haben sich allerdings wohl nur das Drehbuch und nicht den fertigen Film angesehen.
Denn die Umsetzung ist derart schleppend geraten, dass spätestens nach zwanzig Minuten akute Einschlafgefahr besteht. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen – vielleicht hätte Herr Wagner sein Drehbuch besser einem fähigen Regisseur überlassen sollen, denn an dieser Aufgabe ist er klar gescheitert.