Sommer 85

Drama / Coming-of-Age

Regie: François Ozon

Frankreich / 2020


1985, ein heißer Sommer in der Normandie: Der 16-jährige Alexis ist gemeinsam mit seinen Eltern in ein kleines malerisches Örtchen an der Küste gezogen. Als er bei einem Segeltörn von einem Unwetter überrascht wird, das sein Boot zum Kentern bringt, wird er wie durch ein Wunder von dem etwas älteren David gerettet.

Eine große, besondere Sommerliebe nimmt ihren Anfang, doch nach wenigen Wochen wird das unbeschwerte Liebesglück der beiden Teenager getrübt. Die Ereignisse überschlagen sich, und Alexis muss ein letztes Versprechen einlösen …

Hilfe, ein Jugenddrama mit zwei schwulen Jungs. Das kann man sich doch gar nicht anschauen, wird es von vielen Seiten erst einmal heißen. Irgendwie sind Filme über homosexuelle Männer immer noch verpönt, während lesbische Frauen im Kino längst „normal“ geworden sind. Aber ich kann alle beruhigen: Man sieht die beiden vielleicht drei Minuten nackt (und dann auch nichts wirklich Explizites) und sie küssen sich zwei Mal. Das war’s. Wem das zu viel ist, der muss es eben lassen.

Der- oder diejenige verpasst dann allerdings einen der schönsten Filme, die ich seit Langem gesehen habe. Denn hier stimmt einfach alles. Die Darstellung der beiden Jungs ist sensationell – zumal sie im realen Leben beide heterosexuell sind, wie man in den Extras erfährt.

Die Intensität der Beziehung wird wirklich hervorragend herausgearbeitet, und der Nachwuchsschauspieler Félix Lefebvre liefert eine unglaublich gute Leistung ab. Wie er seine verschiedenen Gefühlsregungen ausdrückt, ist wirklich eindringlich. Er wurde dafür auch für einen César nominiert.

Der Streifen ist sehr flüssig inszeniert – und das mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Das „Schwulsein“ wird als etwas völlig Normales dargestellt (was es ja auch ist, aber in vielen Köpfen eben noch nicht). Hier verliebt sich Alexis in den Menschen David – das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

Im Interview gibt Regisseur Ozon einige nette Anekdoten preis. Zum Beispiel sollte der Film eigentlich Summer 84 heißen, bis Robert Smith von The Cure ihm per E-Mail mitteilte, dass er ihm gerne die Lizenz für In Between Days, den Song des Vor- und Abspanns, gäbe – doch das Stück sei erst 1985 erschienen. Da Ozon diesen Song aber so sehr liebte, benannte er den Film kurzerhand um.

Zudem erzählt er, dass er mal wieder etwas „Leichtes“ drehen wollte. Ein Jugenddrama, 1985 spielend, mit zwei homosexuellen Jugendlichen zu einer Zeit, in der das noch stark verpönt war, als „leichte Kost“ zu bezeichnen, ist schon bemerkenswert.

Der Streifen wechselt auch im Verlauf das Genre und wird teilweise sogar zum Thriller. Der Erzählstil mit Rückblenden, eigentlich gar nicht mein Fall, erweist sich hier als ideal gewählt.

Fazit: Toll erzählter und vor allem hervorragend gespielter Streifen mit großartiger Atmosphäre und einem wunderschönen Soundtrack. Hier passt einfach alles.

Was bedeuten die Chuckys?