Ein kriminelles Paar

Thriller / Drama

Regie: François Ozon

Frankreich / 1999


Alice und Luc sind ein etwas seltsames Pärchen: Sie extrovertiert, er extrem schüchtern. Eines Tages erzählt Alice ihm, sie sei von mehreren Jungs vergewaltigt worden. Da sie den angeblichen Drahtzieher kennt, beschließt sie, dass dieser sterben muss.

Sie bequatscht ihren gutmütigen Freund so lange, bis er ihr bei der Umsetzung des Plans hilft. Nach dem Mord fliehen die beiden – nach einem kurz eingeschobenen Juwelenraub – in den Wald, um die Leiche zu entsorgen.

Doch dabei bleiben sie nicht unbeobachtet. Als sie sich verlaufen und eine abgelegene Hütte entdecken, erwartet sie dort ein äußerst unangenehmer menschlicher Waldbewohner, der die beiden gefangen nimmt und Luc unter anderem auch sexuell missbraucht.

François Ozon – welch ein Name. In nahezu jeder Fachpresse wird er als einer der besten Regisseure des Landes von Baguette und Croissant gefeiert. Bislang konnte ich diese Begeisterung nicht teilen, und mit Ein kriminelles Paar ändert sich daran erst recht nichts.

Werfen wir einen Blick auf die Rückseite des Covers. Dort liest man unter anderem:

„Natural Born Killers auf Französisch“,
„Der zweite Film von Ozon endlich unzensiert in Deutschland“
und „Ozon wandelt meisterhaft auf der Klaviatur des erotischen Thrillers“.

Da stellt sich mir ernsthaft die Frage, ob sich diese Sprüche jemand bei der Vertriebsfirma ausgedacht hat – oder ob die Verfasser kollektiv unter einem Hirnschaden leiden.

In Natural Born Killers ist das Pärchen hochgradig kriminell, mediengeil und mordet sich durch halb Amerika. Hier sind die beiden vollkommen unbeholfen und begehen exakt einen Mord.

„Endlich unzensiert“? Was bitte hätte man hier zensieren sollen? Den Mord sieht man kaum, der sexuelle Missbrauch wird lediglich angedeutet und auch sonst gibt es nichts, was auch nur annähernd eine FSK-18-Freigabe rechtfertigen würde.

Und die „Klaviatur des erotischen Thrillers“? Ja, Erotik gibt es – sogar reichlich –, aber wo ist hier bitte auch nur eine Spur von Thrill?

Abgesehen davon, dass die Geschichte vollkommen abstrus zusammengeschustert ist, kommt zu keinem Zeitpunkt Spannung auf. Warum die beiden nicht aus der Hütte des seltsamen Kauzes fliehen, obwohl sie mehrfach Gelegenheit dazu hätten, weiß vermutlich nicht einmal das Drehbuch selbst.

Ebenso wenig nachvollziehbar ist, warum sie später plötzlich von der Polizei geschnappt werden. Das wirkt alles beliebig und schlecht durchdacht.

Die beiden Hauptdarsteller bemühen sich redlich, können aber auch nichts mehr retten. Dafür ist der Film schlicht zu schlecht. Zwischen den bizarren Dialogen mit dem Waldschrat – einer seltsamen Kreuzung aus Catweazle, Hoggart und Räuber Hotzenplotz – gibt es dann noch Rückblenden, die den Mord erneut erklären sollen.

Problem: Zu diesem Zeitpunkt interessiert das niemanden mehr und verlängert den ohnehin zähen Film nur unnötig.

Fazit: Swimming Pool war ganz nett, wenn auch längst nicht so gut, wie er oft gemacht wird. Dieses Machwerk hier ist schlicht langweilig, uninspiriert und besitzt ein dümmeres Drehbuch als so mancher Seagal-Film – und das will wirklich etwas heißen.

Drei Punkte – und die auch nur mit sehr, sehr viel gutem Willen.

Was bedeuten die Chuckys?