Kingmaker

Politthriller / Drama

Regie: Mikkel Serup

Dänemark / 2024


Ulrik Torp war einst ein aufstrebender Journalist. Jahre später, nach mehreren Entlassungen und einem langen Aufenthalt in der Sozialhilfe, kehrt er gedemütigt als Praktikant an seinen alten Arbeitsplatz zurück: zum Dagbladet. Sein früherer Kollege und jetziger Chefredakteur Henrik Moll bittet ihn, über den Mord an einem Angestellten des Innenministeriums zu berichten.

Torp muss sich in einer neuen Medienrealität zurechtfinden, die von Clickbait und Social Media dominiert wird. Gemeinsam mit zwei jungen Praktikanten stößt er bei seinen Recherchen auf einen kleinen Kreis ehemaliger Politiker und Spitzenbeamter, die vor nichts zurückschrecken, um die Macht in den „richtigen“ Händen zu halten. Als klar wird, dass die dänische Demokratie in Gefahr ist, steht Torp vor der Entscheidung, wie weit er zu gehen bereit ist.

Nachdem es in den 2000er- und 2010er-Jahren eine regelrechte Flut an skandinavischen Thrillern gab, ist diese Welle mittlerweile deutlich abgeebbt. Hier und da taucht noch ein Vertreter dieses Genres auf – aber längst nicht mehr in der damaligen Dichte.

Das größte Problem von Kingmaker ist seine viel zu lange Einleitung. Es dauert und dauert, bis die Handlung endlich Fahrt aufnimmt. Die ausführliche Vorgeschichte wirkt dabei unnötig, denn selbst wenn Torp von Anfang an wieder ein „normaler“ Journalist gewesen wäre, hätte das an der eigentlichen Geschichte kaum etwas geändert – nur wäre man deutlich schneller zur Sache gekommen.

Nach etwa 45 Minuten entwickelt sich der Film dann doch noch zu einem spannenden Politthriller, der allerdings einen extrem langen Anlauf braucht. Gerade in der aktuellen politischen Lage in Europa kann man mit so einem Thema natürlich immer punkten, ohne dabei zwangsläufig Stellung beziehen zu müssen.

Hauptdarsteller Anders W. Berthelsen, der gefühlt in jedem zweiten dänischen Film der letzten 20 Jahre mitgespielt hat (unter anderem im großartigen Kings Game, der so etwas wie der Vorgänger von Kingmaker ist), merkt man sein Alter inzwischen an. An manchen Stellen wirkt sein Spiel etwas hölzern.

Die Geschichte an sich ist allerdings hochinteressant. Wie leicht man auch heutzutage Wahlbetrug und politische Manipulation betreiben kann, ohne dass es groß auffällt, zeigen uns ja leider auch aktuelle Beispiele aus der realen Politik.

Warum der Film allerdings ausgerechnet Kingmaker heißt, bleibt wohl das Geheimnis des Verleihs. Mit dem eigentlichen Inhalt hat der Titel nur sehr bedingt zu tun – vermutlich wollte man einfach eine Verbindung zum Vorgänger herstellen. Hauptsache irgendwas mit König.

Wäre der Film schneller in die Gänge gekommen, hätte das ein richtig guter Politthriller werden können. So ist es am Ende „nur“ ein solider und ganz nett anzusehender Vertreter seines Genres.