Islands
Drama / Mystery
Regie: Jan-Ole Gerster
Deutschland / Spanien 2024
Tom arbeitet als Tennistrainer in einem All-Inclusive-Hotel auf Fuerteventura. Was auf den ersten Blick wie der Traum vom endlosen Sommer wirkt, ist für den ehemaligen Profi längst zur monotonen Routine geworden. Während die Touristen in einem nicht endenden Strom kommen und gehen, schlägt er Woche für Woche hunderte Bälle übers Netz und füllt seine innere Leere mit flüchtigen Affären und Alkohol.
Dann taucht die geheimnisvolle Anne im Hotel auf. Sie, ihr Mann Dave und ihr siebenjähriger Sohn Anton entsprechen nicht dem üblichen Bild der Pauschaltouristen. Tom kommt der Familie näher, gibt Anton Tennisunterricht und lädt sie zu einem Ausflug ein, um ihnen die raue Schönheit der Insel zu zeigen. Am nächsten Tag ist Dave spurlos verschwunden – und Annes Verhalten gibt Tom immer mehr Rätsel auf. Ein Verdacht keimt in ihm auf.
Ich habe mir den Film vor allem wegen Sam Riley angesehen, der seit seiner grandiosen Darstellung von Ian Curtis in CONTROL bei mir einen Stein im Brett hat. Eine Schande, dass es dafür damals keinen Oscar gab.
Hier ist er nun als abgewrackter Tennistrainer zu sehen – und er sieht auch entsprechend mitgenommen aus, was ganz offensichtlich so gewollt ist. Seine Figur hat jede Perspektive verloren und lebt nur noch von einem Tag zum nächsten. Der Job macht ihm keinen Spaß, bringt aber wenigstens Geld und ist nicht besonders anstrengend.
Die ersten rund 30 Minuten bekommt man fast so etwas wie eine reine Charakterstudie serviert – ein Genre, für das Regisseur Jan-Ole Gerster ja bekannt ist. Schon mit dem großartigen OH BOY hat er bewiesen, dass er das beherrscht.
Mit der Ankunft der Familie wandelt sich der Film dann fast zu einer Art Krimi – ohne allerdings wirklich klassische Spannung zu erzeugen. Überhaupt ist ISLANDS nur schwer in ein Genre einzuordnen, da er sich konsequent gängigen Konventionen entzieht.
Im letzten Abschnitt weht dann ein leichter Hauch von Hitchcock durch die Szenerie, und die Auflösung ist letztlich durchaus überraschend und unerwartet – wenn auch nicht unbedingt spektakulär. Ein kleiner Schlussgag hätte dem Ganzen vielleicht noch gutgetan.
Mit fast zwei Stunden Laufzeit gerät der Film zwar einen Tick zu lang, langweilt aber nie. Dazu kommen wirklich atemberaubende Locations – und ich bin mir sicher, die meisten von uns würden sofort ihren Job tauschen, um dort zu leben, wo Tom seinen Alltag verbringt.
Fazit: ISLANDS ist ein schwer einzuordnender Film, der weder klassisches Drama noch Thriller noch sonst irgendetwas eindeutig ist. Vielleicht macht ihn aber genau das so interessant. Die Darsteller sind durch die Bank hervorragend, und wer sich auf diesen eigenwilligen Ton einlässt, bekommt ein ungewöhnliches, stimmungsstarkes Stück Kino geboten.