Influencer
Thriller
Regie: Kurtis David Harder
Kanada / 2022
Influencerin Madison kann ihren Solo-Backpacking-Trip nach Thailand kaum genießen, denn nichts läuft, wie sie es sich vorgestellt hat. Doch dann begegnet ihr die lebenslustige CW, die Madison eine exklusive Führung zu den schönsten Selfie-Schauplätzen an der thailändischen Küste gibt. Als die beiden jedoch eine unbewohnte Insel besuchen wollen, nimmt der Ausflug eine düstere Wendung.
Harpoon vom gleichen Regisseur war schon durchaus eine Sichtung wert, da es einfach zu wenige schwarzhumorige Komödien gibt. Influencer hingegen ist eher dem Thriller-Genre zuzurechnen – und der weiß an einigen Stellen durchaus zu überraschen.
Der Vorspann des Films beginnt erst nach satten 27 Minuten – auch das habe ich so noch nicht gesehen, ist hier aber in gewisser Weise durchaus angebracht. Denn an dieser Stelle ist das erste Kapitel von Influencer bereits abgeschlossen.
Was mir wirklich gut gefiel, ist die Tatsache, dass der Streifen an mehreren Stellen eigentlich schon „zu Ende“ sein könnte. Als Zuschauer denkt man sich dann immer wieder: „Ja – und jetzt?“ Wie soll es denn noch weitergehen? Und trotzdem findet Regisseur Harder immer wieder einen neuen Handlungsstrang, den man so nicht erwartet – was alte Hasen wie mich besonders freut. Dagegen fällt der (zweigeteilte) Showdown fast ein bisschen zu konservativ aus.
Instagram-Star Cassandra Naud erwartet man sicher nicht unbedingt in ihrer Rolle, denn das, was sie hier anprangert, ist ja genau das Business, mit dem sie groß geworden ist. Ihr großes Muttermal führte in der Jugend dazu, dass sie oft gehänselt wurde – was ich ehrlich gesagt nicht so ganz verstehe, da ich es eher als interessant denn als abstoßend empfinde.
Zudem liefert sie eine erstaunlich gute Leistung für jemanden, der das Schauspielern nicht von der Pike auf gelernt hat. Auch der Rest des Casts weiß zu überzeugen, wobei sich Regisseur Harder nie wirklich auf eine Seite schlägt, sondern dem Zuschauer überlässt, zu entscheiden, ob das Leben eines Influencers nun toll oder doch eher einsam und verlogen ist.
Ich persönlich verstehe ja nicht, warum diese Menschen so angesagt sind. Warum sollte ich einer Meinung oder einem Produkt vertrauen, nur weil es von jemandem empfohlen wird, der dafür bezahlt wird? Ich folge lediglich Musikbands – schon alleine, weil mich dieser ganze Personenkult eher abstößt.
Insgesamt ist Influencer ein durchaus spannender Thriller vor toller Kulisse. Natürlich wirken einige Dinge etwas konstruiert und teilweise auch weit hergeholt, aber das tut der Spannung keinen wirklichen Abbruch. Zudem wissen die Darsteller zu gefallen, und die eine oder andere überraschende Wendung sorgt für wirklich gelungene Unterhaltung.