Imaginary

Horror / Thriller

Regie: Jeff Wadlow

USA / 2024


Jessica freut sich auf ein ruhiges und friedliches Leben in der Vorstadt, als sie mit ihrem neuen Ehemann und den zwei Stieftöchtern in ihr altes Elternhaus zurückzieht. Ihre jüngste Stieftochter Alice findet im Keller des Hauses Jessicas alten Teddybären Chauncey, der ihr ständiger Begleiter wird. Doch die Bindung von Alice zu dem Kuscheltier nimmt unheimliche Züge an, als sie beginnt, in Chaunceys Auftrag gefährliche und schmerzhafte Dinge zu tun.

Zuerst finden die Erwachsenen keine Erklärung für das besorgniserregende Verhalten des Kindes – bis Jessica der Verdacht kommt, dass Chauncey vielleicht doch nicht das harmlose Kuscheltier ist, für das sie ihn gehalten hat.

Anfangs bekam der Streifen um den niedlichen Bären recht üble Kritiken, bei Amazon stand er zeitweise bei 2,9 – mittlerweile haben sich diese aber deutlich verschoben. Wahrscheinlich, weil die Menschen, die ihn später gesehen haben, wussten, was sie erwartet.

Nämlich ein kleiner, netter Grusler, der sowohl auf Splattereffekte als auch auf übermäßige Gewalt verzichtet und den man auch problemlos ab 12 Jahren hätte freigeben können. Ich sehe keinen Grund, der dagegen spräche.

In den ersten 80 Minuten macht IMAGINARY wirklich alles richtig. Man baut Atmosphäre auf, schaut der Familie beim Einzug zu und sieht, wie das kleine Mädel mit ihrem imaginären Freund redet und von ihm immer abhängiger wird.

Dann gibt es nach etwa einer Stunde eine dermaßen unerwartete Wende (und mich überrascht man eigentlich nicht so oft), die den ganzen Film auf den Kopf stellt, aber glücklicherweise nicht allzu weit hergeholt ist.

Danach allerdings macht der Regisseur den gleichen Fehler wie bei INSIDIOUS und verlässt die natürliche Umgebung des Films (mehr möchte ich aus Spoilergründen nicht sagen) und führt uns in eine eigene Welt ein. Das muss man dann mögen, und da wandelt sich der Streifen fast schon zum Fantasyfilm.

Immerhin erwischt es IMAGINARY nicht so krass wie etwa MAMA, bei dem die bescheuerte CGI-Hexe am Ende den kompletten Film versaut – trotzdem muss man diesen Genrewechsel eben mögen.

Zudem ist hier bei Jeff Wadlow eine klare Steigerung zu erkennen. Vor ein paar Jahren nervte er uns noch mit dem dusseligen WAHRHEIT ODER PFLICHT – dagegen ist IMAGINARY ein regelrechter Quantensprung.

Personell hat er eigentlich alles richtig gemacht. Dewanda Wise spielt die Rolle der überforderten Stiefmutter durchaus überzeugend, während Tom Payne nur eine kleinere Nebenrolle hat.

Der heimliche Star des Films ist allerdings die Veteranin Betty Buckley (kleiner, aber feiner Auftritt in SPLIT), die schon im Original CARRIE eine Rolle hatte – und der ist fast 50 Jahre alt. Ihre Auftritte als schrullige und doch geheimnisvolle Gloria sind die Highlights des Films.

Fazit: Von einem reinrassigen Horrorfilm ist dieser Streifen weiter entfernt als Saskia Esken von der Chance, die nächste Miss-Germany-Wahl zu gewinnen. Trotzdem weiß der recht schmal budgetierte Film zu gefallen und wartet mit einer überraschenden Wendung auf. Die letzten 20 Minuten sind dann allerdings Geschmackssache.

Was bedeuten die Chuckys?