Hotel
Drama / Thriller
Regie: Jessica Hausner
Österreich / 2004
Auch bei Hotel muss ich, wenn ich mir so manche Kritiken durchlese, wieder auf das berühmte wie überstrapazierte Wort „Kunst“ eingehen und mich gleichzeitig fragen, warum insbesondere dann, wenn ein Film zwar vollkommen öde, aber immerhin stilistisch ordentlich präsentiert ist, dieser sofort zur Kunst hochstilisiert wird.
Oder muss Kunst zwangsläufig einschläfernd sein?
Natürlich hat dieses Werk einen gewissen künstlerischen Anspruch – dagegen ist auch nichts einzuwenden. Vor allem die Kameraführung von Martin Gschlacht ist überaus gelungen, insbesondere dann, wenn sie aus der Sicht der Protagonistin eingesetzt wird. Doch das reicht einfach nicht, schon gar nicht für einen Film, der gerne ein Thriller wäre.
Wenigstens dann, wenn Madame minutenlang durch die Hotelgänge wandert und der Zuschauer ihr dabei beiwohnen darf, hätte man doch versuchen können, etwas Spannung zu erzeugen. Doch diese verweigert Regisseurin Hausner ihrem Film mit einer bislang selten gesehenen Konsequenz.
Nehmen wir ein anderes Beispiel: Stay ist sicherlich ebenfalls ein anspruchsvoller Film mit brillanter Kameraführung – nur hat dieser auch eine Geschichte zu erzählen. Man kann ihm zumindest nicht vorwerfen, dass er wie Hotel – und dafür gibt es wirklich keine andere Bezeichnung – stinklangweilig ist.
Oder nehmen wir Ghost Dog. Auch dieser wird gern als künstlerisch wertvoll bezeichnet und ist alles andere als ein Spannungsfeuerwerk. Aber auch er hat wenigstens etwas zu erzählen. Davon ist in Hotel weit und breit nicht einmal ansatzweise etwas zu erkennen.
Nichts gegen die Hauptdarstellerin: Im Rahmen der ihr vom Drehbuch vorgegebenen Möglichkeiten holt sie das Optimum heraus. Doch das reicht eben nicht aus, denn die teils endlos langatmigen Einstellungen zehren mit der Zeit massiv an den Nerven des Zuschauers – zumal sie auch keinerlei Sinn ergeben.
Warum muss ich der Dame beispielsweise fünf bis sieben Minuten beim Tanzen in der Disco zusehen? Wollte die Regisseurin so wenigstens die Laufzeit von achtzig Minuten erreichen?
Es mag ja ein Klischee sein, dass die Uhren in Österreich langsamer laufen, aber ein Arbeitstag als Bedienung in einem Wiener Café ist mit Sicherheit spannender als dieses Paradebeispiel filmischer Langatmigkeit, das meinem bisherigen Spitzenreiter Gerry erschreckend nahekommt.
Die sehr gnädigen drei Punkte gibt es ausschließlich für die schöne Kamera und die überzeugende Hauptdarstellerin. Retten können sie den Film allerdings nicht, denn hier passiert schlicht gar nichts.
Hätte ich die komplette Laufzeit auf meinen Fernseher im Stand-by-Modus gestarrt, wäre die Wirkung fast identisch gewesen. Aber das wäre dann ja wieder keine Kunst.