Der Seelenfänger

Thriller

Regie: Alexandre Bustillo & Julien Maury

Frankreich / 2024


Hauptkommissarin Elisabeth Guardiano wird in das abgelegene Bergdorf Roquenoir geschickt, um dort in einem grausamen Doppelmordfall zu ermitteln. Zeitgleich trifft auch Gendarmeriehauptmann Franck de Rolan in der kleinen Gemeinde ein, um die Entführung mehrerer Kinder aus der Gegend aufzuklären. Nichts deutet zunächst auf einen Zusammenhang zwischen den Fällen hin – bis Guardiano und de Rolan auf die uralte Legende des Seelenfängers stoßen.

Und um es gleich vorwegzunehmen: SEELENFÄNGER ist kein Horrorfilm, auch wenn sich die Geschichte ein bisschen danach anhört und der Titel das natürlich ebenfalls suggeriert.

Stattdessen bekommt der Zuschauer hier einen souveränen französischen Thriller geboten, der gerade gegen Ende mit einigen wirklich unerwarteten Wendungen aufwarten kann. Diese sind allerdings glaubwürdig und nachvollziehbar und nicht völlig überzogen – auch wenn die Erklärung, wodurch diese Doppelmorde letztlich verursacht wurden, ein wenig profaner ausfällt, als man zunächst annimmt.

Beim eingefleischten Horrorfan klingelt es sofort, wenn man die Namen der Regisseure liest: Alexandre Bustillo und Julien Maury zeichnen hier verantwortlich und waren das Duo, das zusammen mit Aja Mitte der 2000er die Welle der französischen Horrorfilme losgetreten hat. Ihr INSIDE ist bis heute ein absolutes Aushängeschild des Genres – ungeschnitten ein wirklich derbes Gemetzel, das im Gegensatz zu vielen Slashern aber auch richtig spannend inszeniert ist.

Hier versuchen sich die beiden nun an einem Thriller – und auch das Ergebnis kann ich wirklich positiv bewerten. In vielen Dingen erinnert mich der Streifen an DIE PURPURNEN FLÜSSE: wieder ein abgelegener Ort, zwei Ermittler und viele Naturaufnahmen.

Auch die Schauspieler sind hervorragend. Mit Sandrine Bonnaire konnte man sogar eine sehr prominente Dame für eine eher kleinere, aber durchaus wichtige Rolle gewinnen. Neben ihr agieren Virginie Ledoyen (alt geworden, aber immer noch eine exzellente Schauspielerin) und Paul Hamy in einer eher ungewohnten Rolle.

Was ich nicht ganz verstehe, ist, dass die beiden Regisseure dem Film so lange einen richtigen Score verweigern. Erst in den letzten 30 Minuten setzt die Musik ein – und die macht einen Film ja bekanntlich oft spannender, als er eigentlich ist. Der Sinn, warum das hier erst so spät passiert, erschließt sich mir nicht.

Trotzdem bleibt unter dem Strich ein wirklich gelungener Thriller aus dem Land des Baguettes, mit guten Darstellern und einer gerade im letzten Abschnitt sehr wendungsreichen Geschichte. Wer französisches Kino wie DIE PURPURNEN FLÜSSE oder auch ELLE mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Was bedeuten die Chuckys?