Benny Loves You

Horror / Komödie

Regie: Karl Holt

Großbritannien / 2019


Nach dem äußerst bizarren Tod seiner Mutter und seines Vaters muss der unbeholfene Jack sein Elternhaus, aus dem er nie ausgezogen ist, verkaufen. Dieses einschneidende Ereignis führt dazu, dass der Spielzeugdesigner endlich erwachsen werden will. Beim Ausmisten fällt ihm Benny, sein treuer Begleiter aus Kindheitstagen, in die Hände.

Doch statt seinen alten Kumpel wertzuschätzen, wirft Jack ihn einfach weg. Allerdings hat er die Rechnung ohne das knuffige Stofftier gemacht, denn das erwacht auf mysteriöse Weise zum Leben – und zwar nicht, um Jack den lieben langen Tag zu knuddeln, sondern um ihn zu „beschützen“. Und unter „beschützen“ versteht Benny: „vernichten“.

Jeder, der Jack in den Knopfaugen des flauschigen Killers Unrecht tut, wird gnadenlos zerhackt, aufgeschlitzt oder ausgeweidet. Dass das nicht lange gutgehen kann, versteht sich von selbst. Und so beschließt Jack irgendwann, seinen amoklaufenden Teddy auf Eis zu legen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn eines ist klar: Die Hölle kennt keinen schlimmeren Zorn als den eines verschmähten Kuscheltiers.

Ich finde diese Zusammenfassung sehr gelungen, deshalb habe ich sie auch nahezu unverändert übernommen.

Erst einmal muss man ja sagen, dass man bei dieser Geschichte sofort an einen totalen Trash-Film denkt. Das waren im Endeffekt Sachen wie Dolls, Chucky, Puppet Master und all die anderen – aber sie hatten irgendwo alle einen gewissen Charme. Und genau den hat Benny Loves You auch.

Zudem ist es überraschend, dass dieser Streifen deutlich teurer aussieht, als er eigentlich ist. Kameraführung, Ausleuchtung und Schnitt sind absolut in Ordnung – und das, obwohl Regisseur und Hauptdarsteller hier sein Erstlingswerk präsentiert, das er auch noch selbst finanziert hat. Solche Experimente enden oft in „billig und schlecht“. Hier zum Glück nicht.

Die Animation von Benny ist zwar nicht überragend und wirkt ein wenig wie aus der Augsburger Puppenkiste. Das erklärt der Regisseur aber selbst sehr schön: Er wollte den Teddy bewusst im Stil der Sesamstraße halten. Und in den 70er- und 80er-Jahren waren solche Darstellungen eben noch nicht so ausgereift – genau so sollte Benny auch wirken.

Auch die Splattereffekte sind absolut hervorragend und sehen in keiner Weise billig aus. Nach meiner Meinung sind sie fast alle handgemacht. Auch das finde ich erstaunlich, denn Leute, die so etwas können, arbeiten normalerweise nicht für Kleingeld.

Nebenbei wird sogar noch etwas Gesellschaftskritik eingebaut. Zum Beispiel, dass wir heute Dinge, die uns als Kind begleitet haben, einfach entsorgen. Oder dass im Zeitalter der Spielkonsolen so etwas scheinbar Banales wie Kuscheltiere fast ausgestorben ist. Auch Mobbing und der immense Leistungsdruck sind Themen. Erstaunlich, was Karl Holt hier alles unterbringt und trotzdem ein stimmiges Gesamtwerk abliefert.

Die Hauptattraktion ist aber natürlich Benny selbst, der zwar immer die gleichen fünf Sätze von sich gibt, aber trotzdem irgendwie putzig wirkt. Wann hat man als Zuschauer schon mal Mitleid mit einem Massenmörder? Eigentlich nie – aber hier weiß man wirklich nicht, ob man das Kerlchen lieben oder hassen soll.

So bleibt unter dem Strich eine wirklich lustige Horrorkomödie mit guten Effekten und erstaunlich schicker Optik. Benny ist simpel gehalten, erobert aber trotzdem das Herz des Zuschauers. Eine Fortsetzung wäre nach dem Ende durchaus drin.

Natürlich darf man das alles nicht ernst nehmen, und auch meine Bewertung ist so hoch, weil ich den Film einfach charmant finde und sowieso einen Faible für ungewöhnliche Killer wie Puppen oder ähnliches habe – jetzt eben auch noch ein Stofftier.

Was bedeuten die Chuckys?