Advent Calendar
Horror / Mystery
Regie: Patrick Ridremont
Frankreich / Belgien / 2021
Die ehemalige Tänzerin Eva ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Als ihre Freundin Sophie ihr einen antiken Adventskalender aus Holz schenkt, merkt sie schnell, dass es damit etwas Besonderes auf sich hat: Hinter jedem einzelnen Türchen steckt eine kleine Überraschung, die in ihrem Leben eine Veränderung verursacht. Anfangs zum Guten, doch nach und nach auch immer mehr zum Schlechten.
Während sich um sie herum furchtbare Ereignisse häufen, muss Eva sich entscheiden: Ist ihre Hoffnung, mit Hilfe des Kalenders wieder laufen zu können, den hohen Preis an blutigen Opfern wert, den der Kalender im Gegenzug fordert?
Hierbei handelt es sich um eine belgisch-französische Koproduktion, bei der ich mir fast sicher bin, dass sie in Amerika noch ein Remake bekommt – denn dazu hat der Streifen zu viel Potenzial, und die Amerikaner klauen so einen Stoff ja bekanntlich gerne.
Juhu, es gibt sie noch: Horrorstreifen mit einer Story, die noch nicht bis zum Erbrechen durchgenudelt ist. Im Gegenteil – ich kann mich nicht erinnern, diese Geschichte so oder so ähnlich schon einmal gesehen zu haben. Oder habe ich da etwas verpasst? Man kann mich gerne korrigieren.
Wenn ich allerdings in anderen Reviews lese, der Film sei doch sehr unlogisch, kann ich nur den Kopf schütteln. In manchen Filmen sieht man anscheinend großzügig darüber hinweg – denn ich kann mir zum Beispiel auch nicht vorstellen, dass es logisch ist, wenn Michael Myers, nachdem er 27-mal erschossen, 21-mal erstochen und viermal verbrannt wurde, immer noch durch die Gegend stapft, oder?
Diesen Punkt blendete ich hier ganz aus und bekam einen wirklich unterhaltsamen Streifen geboten, der in seinen knapp 90 Minuten mehr gute Ideen hat als zehn amerikanische Horrorfilme zusammen. Alleine die Nummer mit dem Spiegel ist herausragend. Ebenso das offene Ende, das viel Raum zur Spekulation bietet.
Eins hätten die Herrschaften aus Übersee aber sicher anders gemacht: In diesem Film fließt vergleichsweise wenig Blut. Bei dieser Ausgangslage wäre im Land der unbegrenzten Möglichkeiten die rote Flüssigkeit vermutlich literweise geflossen. Diese Produktion geht jedoch etwas subtiler vor.
Inmitten dieser interessanten Geschichte sehen wir eine mir zuvor völlig unbekannte, aber hervorragend aufspielende Dame namens Eugénie Derouand, die eine fulminante Leistung abliefert. Sie muss die meiste Zeit eine Behinderte spielen, und auch ihre Gemütszustände sind sehr eindringlich dargestellt. Außerdem ist Madame nicht mit Hässlichkeit gestraft worden, was dem männlichen Zuschauer sicher auch nicht schadet.
Aber auch ohne diesen Umstand bekommt man hier einen – natürlich nicht logischen – aber sehr spannenden Horrorstreifen geboten, der so manche Überraschung bereithält. Den Typen im Rock hätte ich nicht unbedingt gebraucht – da hätte ich als Regisseur ein paar Dinge anders gelöst. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Fazit: Eine klassische 8er-Bewertung, die ich aufgrund der wirklich originellen und wendungsreichen Geschichte sogar noch sehr gerne vergebe.