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DEUTSCHLAND 86 (Universum Film)

am 12. März 2019 unter Drama, Suspense, TV-SERIE, Thriller abgelegt

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Nach den Ereignissen 1983 hat man Martin Rauch zu seinem Schutz nach Angola verbannt. Dort unterrichtet er Kinder in der deutschen Sprache und hat seine Vergangenheit fast schon vergessen, wäre da nicht sein Sohn Max, der weiterhin in der DDR lebt. Dann jedoch taucht seine ignorante und vollkommen linientreue Tante Lenora wieder bei ihm auf und bittet ihn ihr zu helfen. Als Belohnung dafür würde sie dafür sorgen, dass er zurück in die DDR kann, um bei seinem Sohn leben. Auch wenn er ihr nicht vertraut, lässt er sich auf den Deal ein. Dieser scheitert jedoch und Martin muss umdisponieren. Das macht er jedoch sehr geschickt in dem er sich mit der Frau eines einflussreichen Arztes einlässt. Mit ihrer Hilfe versucht er zurück in die DDR zu gelangen – dann erfährt er jedoch, dass diese für den BND arbeitet und sie versucht, ihn umzudrehen. Wird das gelingen und Martin seine alten Ideale verraten?

Die erste Staffel, die ja 3 Jahre zuvor spielte, war einer der besten deutschen Serien aller Zeiten. Da noch einen drauf zu setzen oder zumindest das Niveau zu halten, war natürlich eingermaßen schwierig, gelingt im Endeffekt aber fast – wenn auch nicht von Beginn an.

Denn die ersten Folgen die sich in Afrika abspielen, haben wenig mit der ersten Staffel zu tun und dienen eigentlich nur als Aufhänger, dass man Martin wieder zurück in die DDR schicken möchte und man hat sich dafür eine etwas haarsträubende Geschichte ausgedacht.

Als es beginnt wieder in Europa zu spielen und die DDR mehr zurück ins Spiel kommt, knüpft die Serie wieder nahtlos an die Vorgängerstaffel an, wenn es auch etwas schade ist, das der Kampf der beiden deutschen Seiten nicht mehr wirklich im Mittelpunkt steht, denn daraus bezog DEUTSCHLAND 83 ja seine hauptsächliche Faszination.

Sehr schön ist, das wirklich alle aus dem ersten Teil wieder dabei sind, mit Ausnahme von Ulrich Noethen, dessen Rolle eben nicht mehr in die jetzige Geschichte gepasst hätte. Ich halte sowohl Jonas Nay als auch Ludwig Trepte, der in einem Seitenstrang versucht ,die AIDS Krankheit an die Öffentlichkeit zu bringen, für 2 der besten Nachwuchsdarsteller, die wir haben. Beide sind Ende Zwanzig, Anfang 30 und haben schon sehr viele überzeugende Rollen gespielt. Zu dieser Kategorie zähle ich auch Frederik Lau und Tim Oliver Schulz.

Was mich persönlich etwas gestört hat, ist das doch sehr versöhnliche Ende, was ich nicht so gestaltet hätte. Allerdings bietet es anderseits auch eine ideale Vorlage für eine weitere Fortsetzung, die ja dann sicherlich DEUTSCHLAND 89 beleuchten wird, was ein interessantes Thema sein würde, denn da fiel ja schließlich die Mauer, was man sicher hervorragend in die Serie integrieren könnte. Ob diese Fortsetzung geplant ist, weiß ich allerdings nicht,

Fazit: Mit kleinen Abzügen in der B-Note eine gelungene Fortsetzung einer genialen Serie. Sehr schön herausgearbeitet wird auch, das man immer über die deutschen Kapitalisten schimpft, sich aber selbst zu Erhaltung der DDR zu solchen prostituiert. Weitere Folgen erwünscht.

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SPURLOS (Koch Media)

am 12. März 2019 unter Drama abgelegt

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Catherine und Matthew Parker ziehen gezwungenermaßen mit ihren beiden Kindern Lily und Tom nach Nathgari, in das australische Hinterland. Die beiden Kids haben Schwierigkeiten sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden. In der Nacht, bevor ein alles verdeckender Sandsturm über die Region herzieht, verschwinden Lily und Tom spurlos. Angeführt von Cop Rae, stehen die Bewohner des Ortes dem Paar zunächst bei der Suche zur Seite. Doch diese bleibt ergebnislos. Catherine wird daraufhin immer fragiler und verletzlicher und zwischen dem Paar kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen und Schuldzuweisungen und auch die vormals hilfreichen Nachbarn wenden sich gegen die Eheluet, welche ein dunkles Geheimnis hüten.

Was entsteht, wenn man eine insgesamt eher einfach gestrickte Geschichte um das Verschwinden zweier Kids, mit Kunstkino mischt? Das, was hier bei SPURLOS herauskommt.

Der Film ist bereits 3 Jahre alt und fand lange keinen Vertrieb, weil er doch partiell sehr sperrig ist. Trotzdem verwundert es, wenn man sich mal die imposante Besetzungsliste ansieht, die problemlos einen A-Film stemmen könnte.

Das Hauptproblem jedoch ist, das die Chemie zwischen Nicole Kidman und Joseph Fiennes nicht stimmt. Man kann sich die beiden einfach nicht als Ehepaar vorstellen, was natürlich bei einer Geschichte, die sich um die Probleme eines eben solchen dreht, nicht besonders hilfreich ist. Ich hätte die Rollen eher vertauscht, denn die Szenen zwischen Kidman und Weaving sind wesentlich harmonischer und glaubwürdiger.

Nun kommen wir aber zur Kunst. Da die Geschichte insgesamt nicht so viel hergibt, versucht die Regisseurin Kim Farrant, sehr viele surreale Szenen und künstlerische Bilder mit einfließen zu lassen. Das ist zwar nicht wirklich unterhaltsam, partiell aber optisch durchaus beeindruckend.

Zudem lässt sie allen Darstellern reichlich Raum für Interpretation, was ihr insbesondere von Kidman, die sich in den letzten 20 Jahren enorm entwickelt hat, was ihre Fähigkeiten betrifft, genutzt wird, um groß aufzudrehen. Insbesondere die Szenen in denen sie alleine zu sehen ist sind recht intensiv.

Jetzt soll ich zu diesem Streifen auch noch eine Bewertung abgeben, was reichlich schwierig ist. Ich kann mich für solche künstlerischen Elemente durchaus begeistern, zumal diese bei weitem nicht so überzogen sind wie etwa in MANDY, der ja ebenfalls bei KOCH MEDIA erscheinen ist. Viele jedoch empfinden solche Einflüsse als störend. Zudem ist der Film mit 112 Minuten auch reichlich lange, was vor allem die eigentliche Geschichte nicht hergibt.

Eine Bewertung ist eigentlich nicht möglich, zumindest keine einigermaßen objektive und auch im Internet habe ich zwischen „Genial“ und „totaler Schrott“ alles gefunden. Daher alles drin zwischen:

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und

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BLUE MY MIND (Meteor/Alive)

am 27. Februar 2019 unter Drama, Horror abgelegt

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Die 15-jährige Mia hat die typischen Teenagerprobleme, nachdem sie in eine neue Stadt umgezogen ist. Doch da es gibt noch etwas, was ihr sehr zu schaffen macht, denn ihr Körper scheint zu mutieren – langsam aber stetig. Ihre Eltern sind ihr von jeher fremd gewesen und sie glaubt schon lange, dass sie eigentlich adoptiert wurde. Mia stürzt sich daraufhin ins wilde Teenagerleben um Anschluss zu finden und auch das bisschen Jugend, was ihr noch bleibt, auszuleben. Doch der Körper verändert sich immer weiter. In ihrer Verzweiflung versucht sie sich mit Sex und Drogen zu betäuben, um aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist, denn die Natur ist stärker und Mias Verwandlung schreitet immer weiter voran.

BLUE MY MIND wurde auf sehr vielen Festivals gezeigt und bekam durchweg gute Kritiken – denen ich mich anschließe. Allerdings wird es auch Menschen geben, die diesen Streifen nicht mögen – weil er insgesamt doch sehr außergewöhnlich ist.

Der Film wird getragen von einer absolut herausragenden Luna Wedler, die die verschiedenen Facetten, die ihre Figur zu bieten hat, absolut superb beherrscht. Sie überzeugte kürzlich schon in dem ebenfalls gelungenen DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT, der ja in einem komplett anderen Genre beheimatet war. Respekt! Völlig verdient gab es hierfür den Schweizer Filmpreis

Die Verwandlung von Mia ist eingebunden in eine Rahmenhandlung, die auch als Teenagerdrama funktioniert und in dem ebenfalls Themen wie „ich möchte dazugehören“ und „Probleme mit der Pubertät“ mit abgehandelt werden. Man konnte befürchten das dieser Genremix voll in die Hose geht – tut er aber nicht, denn die sanften Horrorelemente fügen sich sehr gut in das Gesamtbild ein.

Wer allerdings für alles eine Erklärung haben will, der ist hier leider Fehl am Platze. Es werden zwar einige kleinere Dinge angedeutet, doch eine restlose Auflösung kann man hier nicht erwarten – die lässt der Streifen wohl extra offen, was im Endeffekt vielleicht auch ganz gut ist, denn das hätte auch in Schwachsinn enden können. Das Ende rundet den Film schön ab.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Film mit einer tollen Schauspielerin, der sowohl Arthouse-Fans, als auch Freunden von Jugenddramen gefallen könnte. Alleine die Performance der Hauptdarstellerin lohnt schon eine Sichtung.

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M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (Universum Film)

am 27. Februar 2019 unter TV-SERIE abgelegt

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Wien mitten im Winter. Eine Mutter schickt ihre kleine Tochter zurück zum Spielplatz, um die vergessene Jacke zu holen – doch sie kommt nicht mehr zurück. Ein Kindermörder treibt sein Unwesen in Österreichs Hauptstadt und die Polizei ist ratlos Der Innenminister beginnt die Serienmorde politisch für seine Zwecke zu nutzen, da er eine Kanzlerschaft anstrebt. Die Boulevardpresse heizt die Stimmung an. Und in der Bevölkerung beginnt es zu rumoren. Mehr und mehr Kinder verschwinden. Als die Leichen dann plötzlich aufgebahrt im Schnee auftauen, beteiligt sich nahezu die ganze Stadt an der Suche nach dem Mörder. Um ein Exempel zu statuieren ,wird auch die Unterwelt von Wien vorgeführt, die sich daraufhin ebenfalls auf die Suche macht.

Wie sich der geneigte Filmfan sicher denken kann, handelt es sich hier um ein Remake des Filmes von Fritz Lang aus dem Jahre 1931. Man möge mir bitte verzeihen, das ich mich an diesen ad hoc nicht mehr erinnern kann, denn als ich den zuletzt gesehen habe, kostete eine Nussecke noch 50 Pfennig.

Also konzentriere ich mich auf die Miniserie, die wohl in TV NOW laufen wird, bevor sie ins normale Fernsehen kommt. Auf Blu Ray gibt es diese allerdings jetzt schon im Handel.

Die ersten 3 Folgen sind äußerst schwere Kost. Dort meinte der Regisseur wohl das Feuilleton bedienen zu müssen und päppelt die Geschichte mit einigen surrealistischen und mystischen Szenen auf, die eigentlich nicht wirklich zu der Geschichte passen.

Seltsamerweise lassen diese (Gott sei dank) in den nächsten 3 Folgen deutlich nach und man konzentriert sich mehr auf die Suche nach dem Mörder und die verschiedenen Parteien und ihre teilweise eher unedlen Motive werden herausgearbeitet. Denn hier versucht jeder Kapital aus der Sache zu generieren.

Ein Verleger will die Auflage steigern, die Polizei will ihr ramponiertes Image aufbessern. Der Innenminister will den Killer fassen um etwas vorweisen zu können und die Unterwelt Wiens, die als Sündenbock genommen wird, handelt ebenfalls im eigenen Interesse.

Die Besetzung ist formidabel. Moritz Bleibtreu, Christian Dolezal, Julia Sternberger, Lars Eidinger und sogar das Enfant Terrible Udo Kier ( in einer kleineren Rolle) sind dabei, was für eine TV Serie durchaus ambitioniert und beachtlich ist.

Doch irgendwie kann mich M nicht komplett überzeugen. Es schleichen sich hier und da doch ein paar Spannungslücken ein, die in einer so kurzen Serie eher die Ausnahme sein sollten und auch wenn ich nichts gegen Arthouse habe, sind mir manche Dinge einfach zu gewollt künstlerisch und die Rolle, die BELA B von den Ärzten spielt, verstehe ich eigentlich gar nicht.

Gelungen ist allerdings das Ende, denn wie man plant den Mörder zur Strecke zubringen ist durchaus pfiffig. Das „Tribunal“ hingegen ein wenig arg weit hergeholt und wieder etwas zu pathetisch.

So geht das die ganze Serie durch, die guten und weniger guten Abschnitte wechseln sich hier ständig ab und es wirklich schwer eine abschließende Bewertung zu finden. Ich könnte mir vorstellen das der „normale“ Fernsehzuschauer hier, besonders am Anfang, schwer Zugang findet, denn von der Inszenierung eines Tatorts ist dies hier meilenweit entfernt.

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DER SIZILIANER (Koch Media)

am 27. Februar 2019 unter Drama abgelegt

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Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schwingt sich ein Mann mit seiner Bande zum Retter der Armen und Entrechteten und zum Kämpfer für die Unabhängigkeit seiner Heimat auf: Salvatore Guiliano – der Sizilianer. Indem er den Reichen nimmt und den Armen gibt, wird er von der einfachen Bevölkerung wie ein Held verehrt, gerät allerdings auch zwischen die Fronten von Mafia, Politik und Kirche, denen sein segensreiches Wirken zunehmend ein Dorn im Auge ist. Mit tragischen Konsequenzen.

Kurz bevor Christopher Lambert mit HIGHLANDER den ganz großen Durchbruch schaffte, nachdem er als schielender Tarzan schon Aufmerksamkeit erlangt hatte, drehte er diesen Film, der neben ihm noch mit Terence Stamp und John Turturro besetzt wurde.

Der Film ist auch heute noch ganz ordentlich ansehbar – leider gilt das nur für den Streifen selbst. Die Umsetzung ist katastrophal. Ich habe selten so viel Bildrauschen auf einer Blu Ray gesehen, von einem Film, der ja gerade einmal 30 Jahre alt ist – jede Veröffentlichung der Jack Arnold Reihe ist gelungener. Immerhin ist der Ton ordentlich geworden.

Nach Rückfrage bei KOCH MEDIA teilte man mir mit, dass es sich hier um ein Produkt handele, das sie nur im Vertrieb hätten, aber selbst an der Restauration (wobei ich hier keine sehe) beteiligt waren.

Meiner Meinung nach schneidet man sich hier ins eigene Fleisch, denn man weiß als Käufer normalerweise, dass man von der Firma gute Qualität bekommt. Nimmt man mal als Gegenbeispiel den etwa gleich alten EXTREMITIES, den Koch selbst restaurierte, kommt man sich vor als vergleiche man eine Blu Ray mit einem VHS Tape.

Fazit: Auch wenn es einige Leute gibt, die auf diesen Film warten – diese Umsetzung wird sie nicht zufriedenstellen. Ich rate Koch Media mit Hinsicht auf den eigenen Ruf auf solche Sachen zu verzichten, gerade eben, weil man sich so ein exzellentes Standing aufgebaut hat.

RADIUS (Lighthouse)

am 19. Februar 2019 unter SciFi, mystery abgelegt

Radius_DVD (1)Nach einem Autounfall hat Liam keinerlei Erinnerung mehr was passiert ist. Er macht sich auf den Weg in die Stadt, um Hilfe zu suchen, doch dort liegen alle leblos herum. Es scheint ein merkwürdiger Virus umzugehen, der die Menschen tötet, doch wieso ist er nicht betroffen? Dann lernt er Jane kennen, die in Sachen Erinnerung das gleiche Schicksal ereilt hat und der in seiner Nähe nichts passiert. Langsam kommen sie dahinter, dass sie zusammen in dem Auto gesessen haben. Doch es kommt noch schlimmer. Sobald sich die beiden etwa 15 Meter voneinander entfernen, stirbt jedes Lebewesen sofort. Ein CT soll Aufschluss bringen, doch es ist nichts auffälliges zu entdecken. Mittlerweile werden die beiden auch schon von der Polizei gesucht, weil man sie für die ganzen Toten verantwortlich macht. Auf der Flucht müssen sie dabei immer zusammenbleiben, weil sich ansonsten die Leichen aneinanderreihen würden, doch das gestaltet sich in manchen Situationen schwierig..

Juhu endlich mal eine Geschichte die noch nicht 1000 mal erzählt wurde. Dem Schreiber des Drehbuchs kann man nur gratulieren. Er hat definitiv alles richtig gemacht. Die reichlichen Wendungen ergeben alle Sinn, und die Schlusspointe setzt dem Ganzen noch die Krone auf, obwohl ich die ganze Zeit befürchtete, das eben das Ende in die Hose geht.

Natürlich ist das ein kleiner Independent-Thriller und man hat keine ganz großen Schauspieler dafür engagieren können, doch meiner Meinung nach erledigen Diego Klattenhoff und die reizende Charlotte Sullivan ihren Job sehr gut. Es muss ja nicht immer Starpower sein, ebenso wenig wie CGIs, die hier nur sehr spärlich zu finden sind.

Dazu gesellt sich ein bedrohlicher Soundtrack, der zwar eher dezent bleibt, aber im Hintergrund immer perfekt zu dem Geschehen elektronisch vor sich hin wabert und sich gut zu dem Gezeigten ergänzt.

Interessanterweise gehen die Meinungen bei diesem Streifen im Netz komplett auseinander.. Während die professionellen Kritiker eher motzen, sind die Rezensionen von privaten Leuten zum Beispiel bei imdb, nahezu alle im hohen Bereich angesiedelt, was dem Film eine ordentliche Durchschnittsnote von 6,3 dort einbringt.

Fazit: Wer auf gute Ideen steht und wem kleinere Filme zusagen, der liegt hier genau richtig. Die Geschichte ist klasse und die Umsetzung für das kleine Budget ebenso hervorragend. Ich bin mir fast sicher, das RADIUS noch einmal erscheinen wird – und zwar dann als A-Movie, wobei ich mir ebenso sicher bin, dass er seinen Charme dabei verlieren wird. Ein kleiner Geheimtipp.

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DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT (Universum Film)

am 19. Februar 2019 unter Drama, Komödie, Reviews abgelegt

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Roxy ist neu in der Klasse und gerade von ihrer alten Schule geflogen. Zudem hat sie null Bock auf die anstehende Klassenfahrt nach Berlin. Im Bus freundet sie sich mit dem sensiblen Außenseiter Cyril an, der sie mit seinem Wortwitz überrascht und den sie auch auf Anhieb gerne hat. Doch aufgrund seiner großen Nase, für die er nahezu täglich verspottet wird, denkt er eh, dass er bei ihr keine Chance hat . Roxy scheint sich außerdem mehr für den gutaussehenden Rick zu interessieren, der allerdings ein wenig hilflos wirkt und nicht gerade Intelligenz ausstrahlt. Als auch noch Aufreißer Benno ein Auge auf Roxy wirft und Cyril mitbekommt, dass es eine Wette gibt, wie schnell Benno sie ins Bett bekommt, versucht er Rick zu helfen und schreibt für ihn coole Songtexte und romantische SMS. Doch das erste Date wird natürlich eine Katastrophe und die Chancen von Benno scheinen wieder zu steigen.

Eine romantische Komödie – na da hat man ja hier den richtigen genommen um eine Bewertung abzugeben, denn das ist ein Genre, das mir normalerweise gar nicht liegt. Aber ich bin großer Kämpfer für den deutschen Film, deshalb habe ich mir diesen Streifen dann doch angesehen und war überrascht.

Die Geschichte ist sehr schön erzählt und die Chemie zwischen Luna Wedler und Aaron Hilmer passt einfach perfekt. Zudem gesellt sich mit Damian Hardung einer aus dem Club der roten Bänder dazu, der hier aber einen völlig anderen Charakter spielt.

In den Nebenrollen ist der Film ebenfalls gut besetzt worden. Insbesondere Heike Makatsch als Lehrerin, hat in ihrer rabiaten Art so manche Lacher auf ihrer Seite und Anke Engelke spielt die Mutter von Cyril überraschend zurückhaltend und glaubwürdig.

Was zudem verwundert ist, das in dem Film tatsächlich Musik aus dem Genre Hip-hop dominiert, was nun wahrlich nicht mein Fall ist. Insbesondere das deutsche dümmliche Aneinanderreihen von Fäkaltexten, welches bei den Kiddies heutzutage angesagt ist, nervt mich seit Jahren. Hier aber hat man wirklich gute Songs geschrieben und die Worte sind sehr poetisch und keinesfalls platt.

Das Ende ist von der Idee zwar sehr gelungen, aber sorry Leute, so läuft das im echten Leben leider nicht ab – dies kann ich aus eigenen Erfahrungen berichten und auch mein Umfeld hat diese gemacht. Mehr kann ich nicht dazu sagen, weil ich sonst spoilern würde.

Unter dem Strich ein durchgängig unterhaltsamer Streifen, der zwar im Grunde eine Komödie ist, untergründig jedoch auch Dinge wie Mobbing oder Verrohung der Jugend aufgreift und diese gut in die Geschichte integriert. Auch wenn mir das Ende einen Tick zu weit hergeholt wirkt, kann man hier trotzdem viele Chuckies vergeben, da der Gesamteindruck hervorragend ist.

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EXTREMITIES (Koch Media)

am 19. Februar 2019 unter Klassiker, Suspense, Thriller abgelegt

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Nachdem sie nur um Haaresbreite einer versuchten Vergewaltigung entgangen ist, wird Marjorie verständlicherweise von dem Gedanken verfolgt, dass der Angreifer ihr wieder auflauern wird, denn er hat ihr Portemonnaie gestohlen und weiß wo sie wohnt. Die Polizei jedoch will ihr keinen Schutz gewähren.Und tatsächlich bricht dieser kurz darauf bei ihr ein und misshandelt sie. Doch ihr gelingt es, den Spieß umzudrehen, sich zu befreien und ihren Peiniger zu überwältigen. Das Problem ist nur, dass man ihm natürlich keine versuchte Vergewaltigung nachweisen kann und er ruckzuck wieder auf freiem Fuß wäre. Ihre beide nach Hause gekommenen Mitbewohnerinnen wehren sich allerdings dagegen,Selbstjustiz zu üben.

Damals war dieser Film fast so etwas wie ein Skandal, da man das Thema gerne kleinredete. Heute sieht das natürlich, bei allem was in den letzten 30 Jahren so passiert ist, etwas anders aus.

Trotzdem (und das tue ich bei Filmen dieses Alters eher selten, sondern konzentriere mich auf die Restauration), bewerte ich den Film, denn ich finde, er hat die Zeit insgesamt sehr gut überstanden. Der Titeltrack ist ein typischer 80er Jahre Song und die Klamotten sind natürlich grausig, aber der komplette Film, die Handlung und die Dialoge funktionieren auch heute noch erstaunlich gut.

Fehlt nur noch die passende Umsetzung dazu und da KOCH MEDIA den Film restaurierte, weiß man sofort, das gute Arbeit abgeliefert wurde, denn die Bildqualität ist hervorragend. Schöne Farben, nahezu keinerlei Rauschen (zumindest nicht mehr als ab und an bei aktuelle Streifen auch) und keine Blitzer sind zu sehen.

Der Ton ist insgesamt natürlich etwas leise und hat bei weitem nicht die Power wie bei heutigen Produktionen. Ich persönlich finde es aber besser, wenn man das so lässt und nicht künstlich auf 6.1 hochsteuert, denn das hört sich dann meist grausig an.

So bleibt unter dem Strich in allen Punkten eine klare Kaufempfehlung.

HACKERVILLE (Eye See Movies/AV Visionen)

am 12. Februar 2019 unter TV-SERIE, Thriller abgelegt

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Eine deutsche Großbank wird zum Opfer eines Hackerangriffs, den das Bundeskriminalamt bis nach Rumänien zurückverfolgen kann. Merkwürdigerweise wurden aber nur 9,99 EURO abgehoben, obwohl der Hacker Millionen hätte transferieren können. Trotzdem wird die Spezialistin für Internetkriminalität Lisa Metz in die rumänische Stadt Timisoara, die zugleich ihr Geburtsort ist, versetzt. Dort soll sie mit dem leitenden Ermittler Adam Sandor zusammenarbeiten. Die Spur führt zu dem vierzehn Jahre alten Cipi, der ein Programmier- und Hacker Wunderkind zu sein scheint. Doch auch andere haben dessen Talent erkannt, wollen den Jungen unbedingt in die Hände bekommen und schrecken dabei auch vor Mord nicht zurück und alle in Cipis Umfeld geraten in Gefahr.

Das Thema Internet ist heute aktueller denn je. Die vielfältigen Möglichkeiten die es bietet sind sehr angenehm, aber es ist eben auch anfällig für viele Dinge, die sich im rechtsfreien Raum bewegen, man nehme nur einmal das Darknet.

Natürlich ist es schon etwas weit hergeholt, was ein 14-jähriger alles so anstellen kann – besonders was er mit anderen Handy so veranstaltet, erscheint mir doch etwas sehr suspekt. Aber die Serie ist insgesamt durchaus gelungen.

Dem Darsteller des Cipi nimmt man die Rolle auf jeden Fall ab – so in etwa würde ich mir so einen Wunderknaben auch vorstellen. Anna Schumacher, die die Lisa spielt, ist zwar durchaus authentisch, hat aber die Eigenart, ähnlich wie Götz George, manche Sachen halb zu verschlucken und sehr leise zu sprechen, so dass ich mehrfach zurückspulen musste, um alles zu verstehen. Ob das in irgendeiner Weise einen Sinn ergeben soll oder das nur ihre Eigenart ist, weiß ich jedoch nicht.

Interessant hierbei ist, das die wirklich bekannten Schauspieler hier nur Nebenrollen besetzen, wie etwa Roland Zehrfeld als direkter Vorgesetzter von Lisa oder auch Nina Kunzendörfer, die die oberste Chefin spielt und dabei nicht sehr viel Screentime hat.

Der große Vorteil der Staffel ist, dass sie zwar abgeschlossen auserzählt ist, sich jedoch ein Hintertürchen für eine Fortsetzung offen lässt. Kommt wohl auf den Erfolg an, ob es einen Nachfolger geben wird.

Vielleicht denkt man sich hier einen etwas interessanteren Ort als Timisoara aus, denn der Nabel der Welt ist die kleine Stadt, die in etwa die Größe von Mainz hat natürlich nicht, wobei man diese wohl bewusst auswählte, weil man eben Cyberkriminalität immer nur mit großen Metropolen verbindet.

Insgesamt eine gelungene Serie mit recht vielen Wendungen und guten Darstellern. Die Bösen kommen zwar ein wenig überzogen daher und bedienen so manches Klischee, doch das stört nicht weiter, da die Geschichte ansonsten gut ausgearbeitet wurde. Fortsetzung erwünscht.

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UTOYA 22. JULI (Universum Film)

am 12. Februar 2019 unter Biopic, Drama abgelegt

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Die 18-jährige Kaja verbringt mit ihrer jüngeren Schwester Emilie ein paar Ferientage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Angeregt diskutieren die Jugendlichen über aktuelle politische Entwicklungen, denn in Oslo Stadt ist eine Bombe explodiert. Dann fallen plötzlich Schüsse. Erschrocken suchen Kaja und die anderen Schutz im Wald. Kein Versteck scheint sicher zu sein. Doch die Hoffnung auf Rettung bleibt. Und Kaja setzt alles daran, Emilie zu finden, die sie in dem Chaos aus den Augen verloren hat.

Utoya ist eine kleine Insel im Tyrifjord, dem fünftgrößten Binnensee Norwegens. Sie liegt nahe dem Eingang zum Holsfjord, einem der vier Hauptarme des Sees, rund 500 m vom Seeufer entfernt. Beim Anschlag durch Anders Behring Breivikam 22. Juli 2011 starben auf der Insel 69 Menschen.

Soweit zu den Fakten, die ich bei Wikipedia gefunden habe. Die Ereignisse fanden damals also tatsächlich statt und der Bekloppte, der vor ein paar Jahren in München um sich ballerte, war Fan von diesem Breivikam und tat es ihm gleich.

Nun gibt es natürlich 2 Möglichkeiten so einen Film zu realisieren. Entweder als Dokumentation oder als normalen Spielfilm. Der Regisseur entschied sich für letzteres, wählte dabei allerdings die subjektive Kamera als Stilmittel und entschied sich für einen Onecutter. Das ist ein Film, der an einem Stück durchgedreht wird ohne einen Schnitt vorzunehmen.

Das selbe Prinzip verfolgte auch schon VICTORIA, ebenfalls bei Universum Film erschienen. Nun hatte dieser aber den Vorteil, das in den guten 2 Stunden sehr viele verschiedene Schauplätze vorkamen und es immer wieder überraschende Wendungen gab. Dies ist bei UTOYA nicht der Fall, was einfach daran liegt, das die damals nicht passierten.

Deshalb gerät das Ganze in meinen Augen einfach zu langatmig. Gefühlte 20 Minuten am Stück liegt zum Beispiel ein Gruppe der vermeintlichen Opfer an einer Stelle, zittern, quatschen, es fällt ein Schuss, es wird weiter gequatscht und gezittert und wieder fallen Schüsse. Auch wenn das sicherlich in der Realität so passiert ist, gestaltet es sich einfach zu monoton.

Es gibt aber auch gelungene Stellen, wie zum Beispiel die Flucht ins Gebäude, die hervorragend eingefangen wurde. Am besten ist jedoch die Schlusspointe, die allerdings so nicht stattgefunden hat, wie der Film im Abspann betont.

Das Mädel, das die Hauptrolle spielt und danach ein sehr sympathisches Interview in den Extras gibt, ist in ihrer darstellerischen Leistung auch durchaus glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass es noch dazu ihre erste Rolle war.

Eine Bewertung ist hier nicht möglich, zumindest keine relativ objektive. Leute die Filme wie BLAIR WITCH 1 mögen, dürften hier auch Gefallen finden. Menschen die die Wackelkamera hassen, sollten eine großen Bogen machen, auch wenn sie in diesem Kontext ja durchaus Sinn macht.