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Archiv der Kategorie 'Drama'

VICE (Universum Film)

am 18. Juli 2019 unter Biopic, Drama abgelegt

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Zweithöchster Mann in der Hierarchie der USA – das hört sich zunächst einmal super an, doch Dick Cheney weiß genau, dass der VICE Präsident bestenfalls ein Grußonkel ist. Als er den Job angeboten bekommt, lehnt er daher auch zuerst ab. Doch dann lässt er sich ein paar Dinge einfallen, wie er seine Macht verstärken könnte und nimmt die Wahl dann doch an. Und wird zum mächtigsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten:

VICE – DER ZWEITE MANN beleuchtet die sagenhafte Karriere des Bürokraten und Washington-Insiders, der an der Seite von George W. Bush zum einflussreichsten Politiker der Welt wurde und seine Macht zu nutzten wusste: Cheneys Entscheidungen prägen das Land noch immer.

Nun hat man für die Geschichte dieses Mannes in Sachen Erzählstil eine Mischung aus Satire und Tragikomödie gewählt. Ich persönlich hätte es lieber als Thriller gesehen, denn die Geschichte dieses Herrn, der übrigens heute immer noch lebt, hätte sich dafür angeboten.

So gibt es in dem Film Stellen, die mir gar nicht zusagen, insbesondere manche kleine Einspieler finde ich einfach deplatziert – andere Einfälle wie zum Beispiel den Erzähler aus dem Off und die Auflösung, was es mit diesem auf sich hat sind wiederum mehr als originell.

Mittendrin stapft Christian Bale durch die Manege, der sich für die Rolle mal wieder jede Menge Speck angefressen hat und seit Jahren für sein Method Acting bekannt und auch berüchtigt ist. Über seine schauspielerische Klasse gibt es natürlich keine Zweifel.

Auch der Rest der Besetzung ist gelungen. Scott Speedman als Bush ist fast schon ein wenig überzeichnet. Ob die reale Persönlichkeit auch eine eher wenig helle Kerze auf der Torte ist, wie einem hier suggeriert wird, weiß ich nicht. Jedenfalls kommt er nicht besonders gut weg.

Die Bewertungsmöglichkeiten für VICE sind vielfältig. Es gibt mit Sicherheit Menschen, die diesen Erzählstil überhaupt nicht mögen, andere werden ihn als originell und genial erachten. Ich befinde mich irgendwo mittendrin, einfach weil ich das ganze gerne etwas spannender gehabt hätte, was natürlich bei o.g. Genres schwer machbar ist. So ist meiner Meinung alles möglich zwischen

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und

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DER SCHWARZE ENGEL (Koch Media)

am 18. Juli 2019 unter Biopic, Drama abgelegt

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Der 17-jährige Argentinier Carlitos gibt seinem Leben mit gelegentlichen Einbruchstouren den gewissen Kick. Von seinem neuen Mitschüler Ramón ist der Junge aus gutem Hause sofort fasziniert. Dessen drogensüchtiger Vater José erkennt schnell Carlitos’ Talent für riskante Raubzüge – und bald schon beginnt eine lukrative Zusammenarbeit. Als die beiden Jungs bei einem Coup von einem alten Mann überrascht werden, schießt Carlitos auf ihn. Doch derlei Kollateralschäden bereiten dem Teenager keine schlaflosen Nächte – im Gegenteil.

Carlos Eduardo Robledo Puch gibt es tatsächlich. Er verbüßt derzeit weiterhin eine Haftstrafe von 45 Jahren – die höchste die jemals in Argentinien ausgesprochen wurde. Anfangs nur durch Einbrüche auffällig, kamen später auch noch Vergewaltigungen und Mord hinzu.

Bei der Besetzung ist den Produzenten wahrlich ein Coup gelungen, denn vergleicht man mal Schauspieler und Original, könnte es sich hier wirklich um Brüder handeln. Gerade dieses blonde, lockenköpfige Unschuldsgesicht ist es dann auch, was ihn zunächst als harmlos erscheinen lässt.

Nun muss man aber 2 Dinge wissen. Der Film lief in Cannes und wurde von Alomodovar produziert. Für Menschen die gerne einen normalen Thriller um einen Serienkiller schauen, verheißt dies nichts gutes, denn beides deutet wieder auf viel Kunstanspruch hin.

Und so ist es dann auch. Der Regisseur konzentriert sich zu sehr auf schöne Bilder und schicke Ausstattung, während die Handlung dabei etwas unglaubwürdig wirkt. Auch einige Reaktionen der Protagonisten und Opfer (wie zum Beispiel der alte Mann) sind vollkommen seltsam und künstlerisch komplett überfrachtet. Zudem ist der Erzählstil doch teilweise sehr elegisch.

In Cannes wurde das Ding abgefeiert und im Internet bekommt der Streifen auch durchweg gute Bewertungen, was ich aus rein handwerklicher Sicht auch verstehen kann. Denn optisch und inszenatorisch ist das hohes Niveau.

Wer allerdings glaubt hier seien stringenten Serienkiller-Streifen und durchweg spannenden Thriller zu sehen bekommt, der wird enttäuscht sein. Eher was für Feuilleton, als für den normalen Konsumenten daher auch unbewertbar.

BEN IS BACK (Universum Film)

am 03. Juli 2019 unter Drama, Thriller abgelegt

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Holly Burns ist hin- und hergerissen, als ihr 19-jähriger Sohn Ben an Heiligabend unverhofft vor der Tür steht. Die vierfache Mutter möchte nur zu gern glauben, dass ihr Ältester sein Drogenproblem endlich im Griff hat. Aber die Zweifel bleiben. Vor allem Schwester Ivy und Stiefvater Neal sind äußerst skeptisch – zu oft wurden sie von ihm enttäuscht. Er will nur einen Tag bleiben, doch in den folgenden 24 Stunden versucht Holly alles, um ihre Familie zusammenzuhalten und folgt Ben auf Schritt und Tritt – doch das reicht leider nicht, denn als sich herumspricht, dass er wieder im Lande ist, kommen die alten Dämonen wieder zum Vorschein.

Es ist für mich wirklich schwierig für mich einen Film zu schauen, in dem Julia Roberts eine so große Rolle spielt, denn die Frau ist für mich die überbewerteste Schauspielerin aller Zeiten, was bei den vielen, die diesen zweifelhaften Ruf genießen, fast schon ein Kunststück ist.

ABER – in diesem Streifen war ich wirklich überrascht, denn die Mutterrolle, die partiell sehr tough angelegt ist, spielt sie doch erstaunlich glaubwürdig, wird jedoch auch von einem hervorragenden Cast unterstützt, denn insbesondere der von mir ebenfalls nicht sonderlich hoch eingeschätzte Lucas Hedges spielt herausragend.

Die Geschichte ist 70 Minuten lang durchaus nachvollziehbar und auch realitätsnah erzählt. Gegen Ende wirkt es aber dann doch etwas überkonstruiert und auch der Abschluss ist mir einen Tick zu optimistisch geraten.

Besonders gelungen hingegen sind die Stellen, wo man geschildert bekommt, wen Ben durch seine Drogensucht mit auf dem Gewissen hat, zumal er mit dem Mist auch dealte. Das sind die ganz starken Momente in dem Film – die Konfrontation mit den Opfern oder den Hinterbliebenen der Opfer – und da hat der Film auch wirklich Qualität.

Fazit: Überraschend gute Vorstellung von Frau Roberts, in einem sehr einfühlsamen Streifen, der nur gegen Ende einen Tick zu viel will. Interessant auch, das sich das Ganze eigentlich 40 Minuten im Drama-Genre aufhält und dann immer mehr zum Thriller mutiert. Insgesamt wirklich gelungen.

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ROMANS (Koch Media)

am 03. Juli 2019 unter Drama abgelegt

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Malky ist ein Abrissarbeiter in den Dreißigern. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, um dort beim Abriss der örtlichen Kirche mitzuhelfen, wird er mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert. In jener Kirche wurde er als Junge vom damaligen Priester sexuell missbraucht. Das Trauma der Vergangenheit hat Spuren hinterlassen. Malky hat Probleme, eine normale Beziehung zu führen und neigt schnell zu Gewalt. Sein Leben gerät endgültig aus den Fugen, als er seinem Peiniger aus Kindertagen plötzlich unerwartet gegenübersteht. Rachegedanken keimen in ihm auf. Doch soll wirklich eine Vergeltungstat sein künftiges Schicksal bestimmen?

Die Beschreibung des Films habe ich übernommen, denn sie hört sich eigentlich gut an. Leider begeht man allerdings den Fehler, die Nebenhandlungen zu sehr ausufern zu lassen, denn die sind teilweise nicht wirklich zielführend und nehmen dem Film sehr oft das Tempo.

Zudem hätte ich nicht wirklich Orlando Bloom für diese Rolle gewählt. Man verbindet ihn einfach zu sehr mit dem Mainstreamfilm und irgendwie will er nicht so wirklich in die Rolle passen – da hat mir sein Indie-Ausflug in ZULU deutlich besser gefallen.

Grundsätzlich mag ich ja solche kleinen Filme und wie bereits erwähnt gäbe die Geschichte ja auch einiges her, doch es dauert schon mal über eine halbe Stunde bevor es überhaupt einmal zum ersten kleinen „Duell“ zwischen den vermeintlichen Feinden kommt – bis dahin erzählt man zwar sehr viel über das Leben des Hauptdarstellers und sein Umfeld, was mir aber alles etwas zu behäbig von statten geht.

Bei ofdb wird der Film in den Himmel gehoben – da kann ich mich leider nur bedingt anschließen. Alles in allem solide, aber ich finde man hätte hier deutlich mehr herausholen können und arbeitet sich an zu vielen Nebenschauplätzen ab, die nicht wirklich nötig gewesen wären.

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SO VIEL ZEIT (Universum Film)

am 03. Juli 2019 unter Drama, Komödie abgelegt

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Rainers Leben läuft ganz und gar nicht so, wie er sich das als junger Mann erträumt hat. Sein Job langweilt ihn, seine Frau hat ihn verlassen und sein Sohn hätte sich einen tolleren Papa gewünscht. Außerdem gibt es eine Sache, die Rainer in seinem Leben richtig verbockt hat: Damals vor 30 Jahren hat er den Durchbruch seiner Band „Bochums Steine“ auf offener Bühne ruiniert. Seine Bandkollegen Bulle , Konni , Thomas und besonders Ole haben ihm das nie verziehen. Dann offenbart ihm seine Ärztin, dass er einen Hirntumor hat, der wohl nicht mehr heilbar ist. Rainer beschließt, noch einmal alles zu geben und versucht die alte Band wieder zusammenzutrommeln um ein Comeback von „Bochums Steine“ zu ermöglichen! Doch wie werden seine alten Bandkollegen und der damalige Manager auf den Vorschlag reagieren?

SO VIEL ZEIT ist ein Film, den man bei allem, was man hier an durchaus vorhersehbaren Klischees geliefert bekommt, nicht wirklich schlecht bewerten kann, denn dazu ist die Grundidee zu gut und vor allem das ständige Konterkarieren der Musiker mit ihrem Alter sorgt für Lacher.

Auch an der Besetzung hat man nicht wirklich etwas falsch gemacht und mit Liefers, Rohde und Müller echte Typen am Start, denen man diese Rolle auch abnimmt. Vogels Charakter ist mir hingegen einen Tick zu sehr over the top.

Das absehbare (fast) Happy-End ist mir etwas zu aufgesetzt, denn trotz des Comebacks (ich glaube nicht, dass ich da zu viel spoilere) wird Rainer eben bald sterben, was gegen Ende komplett ausgeblendet wird.

Interessant sind die Reaktionen, die man so im Netz findet – viele zerreißen den Streifen, weil er sich nicht an die Buchvorlage hält, denn da hatte wohl der Protagonist keine tödliche Krankheit, was vielen bitter aufstößt. Klar denn diese Fakt spielt im Film ja schon eine große Rolle und ist Basis für das Comeback.

Trotzdem – wie schon oben erwähnt, kann man dem Film einfach keine schlechte Bewertung geben, dafür ist er einfach zu gut gespielt und auch zu unterhaltsam, denn es gibt hier nahezu keine Durchhänger. Droht die Geschichte einmal stecken zu bleiben, wird das Ganze mit einigen kurzen Nebenhandlungen (Prügelei an der Tankstelle) einfach anders überbrückt.

Unter dem Strich ein irgendwie liebenswerter Film, der jedoch nicht wirklich realistisch erscheint.

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KANSAS CITY – MEDIABOOK (Koch Media)

am 25. Juni 2019 unter Drama, Klassiker abgelegt

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Die Telegrafistin Blondie O’Hare entführt die Frau eines angesehenen Politikers. Sie will auf diesem Wege Hilfe erpressen für ihren Mann, einen kleinen Ganoven, der sich mit dem schwarzen Establishments angelegte und nun in der Klemme steckt. Der Film beobachtet die 24stündige Odyssee der beiden ungleichen Frauen durch eine Stadt, wo eine Kommunalwahl und ein Jazz-Wettbewerb die Gemüter bis zum Siedepunkt erhitzen…

Der letzte Satz sagt alles…man sollte schon eine gewisse Affinität zum Jazz mitbringen, die ich leider nicht besitze – bei mir geht das doch eher in Richtung Elektronik oder Gitarren-Pop. Von daher kann ich die reichlich vorhandene Musik nur bedingt beurteilen.

Altman hatte früher den gleichen Status wie Clint Eastwood heute. Wenn er rief, kamen sie alle, es traute sich fast keiner abzusagen, denn jeder wollte mit dem Altmeister zusammenarbeiten und er hatte in seinen Schaffensjahren so ziemlich jeden, in der jeweiligen Dekade bekannten Star, vor seiner Linse.

Das Mediabook ist sehr schon gestaltet. Neben einem schicken Inlay, in dem es Hintergründe zum Film gibt, hat man auch noch jede Menge Extras mit draufgepackt. Es gibt eine eigene Dokumentation über die Entstehung des Streifens, einen kurzen Blick hinter die Kulissen, Interviews mit vielen der Beteiligten und eine hübsche Bildergalerie.

Ich persönlich fand den Film sogar recht unterhaltsam, obwohl ich grundsätzlich eher nicht der Fan von Streifen bin, die in den 20ern und 30ern spielen. Aber die Kulissen wirken sehr authentisch und schick.

Neben Harry Belafonte in einer völlig ungewohnten Rolle, stehen unter anderem Jennifer Jason Leigh, Miranda Richardson und Steve Buscemi (der darf bei sowas nicht fehlen) auf der imposanten Besetzungsliste.

Der Film hat mittlerweile auch ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel, was aber nichts an der sehr guten Bildqualität ändert. Ob hier restauriert wurde weiß ich nicht, aber das Bild ist glasklar, vielleicht an manchen Stellen einen Tick zu hell. Die Jazzmusik und die Dialoge schallen satt aus den Boxen und werden Fans dieser Musik begeistern.

Ich habe hier eher die Qualität der Veröffentlichung an sich beurteilt, da ich wie gesagt mit Streifen, die in diesen Jahrzehnten spielen, wenig anfangen kann. Trotzdem habe ich ihn mir komplett angesehen und fand ihn durchaus unterhaltsam. Das sollte Fans dieses Films und der Jazzmusik erst recht animieren, diesen zu kaufen.

WERK OHNE AUTOR (Studio Canal)

am 13. Juni 2019 unter Biopic, Drama abgelegt

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Dem jungen Künstler Kurt Barnert gelingt zusammen mit seiner Freundin Elisabeth die Flucht aus der DDR in die Bundesrepublik. Hier will er sich endlich seinen Bildern widmen, doch immer wieder holen ihn seine Traumata ein, welche er während der Herrschaft der Nazis und der SED-Zeit erlitten hat. Kurt beginnt seine schwierigen Erlebnisse in der Kunst zu verarbeiten und schafft Werke, die das Schicksal einer ganzen Generation künstlerisch einfangen. Doch das angespannte Verhältnis zu Professor Seeband , seinem Schwiegervater, überschattet Kurts Glück. Noch ahnt er nicht, dass ihre Wege sich in der Vergangenheit bereits kreuzten…

Ich habe hier die Zusammenfassung von OFDB übernommen, weil ich finde, dass sie recht gelungen ist. Das man satte 182 Minuten (und ich finde hier hätten 120 auch gereicht) nicht in 3 Sätzen komplett resümieren kann, sollte klar sein.

Eigentlich könnte man ja meinen, dass dies hier ein Film für das Feuilleton ist, doch es hagelte Verrisse, während der Streifen in Amerika für 2 Oscars nominiert war – ein seltsames Mysterium. WOA ist an das Leben des Künstlers Gerhard Richter angelehnt, der alsbald seine Meinung kundtat und den Film als völlig misslungen bezeichnete.

Ich persönlich fand den Streifen durchaus gelungen. Wie oben bereits erwähnt, hätte man hier an manchen Stellen aber deutlich kürzen können, denn leider wird der Spannungsbogen öfters unnötigerweise ausgebremst und es wird sich in zu vielen kleinen Details verloren. Was hier alles stimmt und dazugedichtet wurde, vermag ich nicht zu beurteilen und so sollte ich den Streifen hier wohl als reines Unterhaltungswerk und nicht als autobiographisches Denkmal bewerten.

Und da schneidet er durchaus gut ab. Das liegt vor allem an der absolut hervorragenden Besetzung, denn was hier alles an bekannten Darstellern verpflichtet wurde, vermag ich gar nicht aufzuzählen. Herausragend jedoch die Darstellungen von Sebastian Koch, der den ehemaligen NS Offizier mit Bravour spielt und natürlich Tom Schilling, wohl der einzigste deutsche Schauspieler (vielleicht neben Tim Oliver Schulz) der in einem Film einen 18-jährigen, wie auch einen Mitdreißiger verkörpern kann. Für mich zählt er schon immer zu den Besten, die wir in Deutschland haben.

Richtig spannend im klassischen Sinn ist der Streifen nur selten, das gibt die Geschichte einfach nicht her. Vielleicht die Szene der Flucht aus der DDR oder die Wortduelle mit Kochs Charakter erzeugen ein wenig Spannung – sonst ist das ganze aber ein durchaus gelungenes Drama mit berührenden und auch außergewöhnlichen Momenten.

Fazit: Wer Gerhard Richter nicht kennt, sollte nach dem Steifen mal googeln, denn so habe ich es auch gemacht, denn für einen Film mit solch einem Hintergrund und einer über Jahrzehnte reichenden Geschichte, praktisch keine Extras hinzuzufügen, ist leider ein Armutszeugnis.

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BALLON (Studio Canal)

am 06. Juni 2019 unter Biopic, Drama abgelegt

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Sommer 1979 in Thüringen. Die Familien Strelzyk und Wetzel haben über zwei Jahre hinweg einen waghalsigen Plan geschmiedet: Sie wollen mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR fliehen. Doch dieser stürzt kurz vor der westdeutschen Grenze ab. Das scheint das Ende der Flucht, doch es kommt noch schlimmer. Die Stasi findet Spuren und nimmt sofort die Ermittlungen auf, während die beiden Familien sich gezwungen sehen, unter großem Zeitdruck einen neuen Flucht-Ballon zu bauen. Mit jedem Tag ist ihnen die Stasi dichter auf den Fersen – ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Bully Herbig dreht einen Thriller, der in der DDR spielt. Also darauf wäre sicherlich niemand gekommen, der seinen üblichen Quark kennt, denn ich finde seine Filme eigentlich grausig und vollkommen unlustig.

Das er hier aber einen solch spannenden und in allen Belangen gelungenen Film abliefert, hat mich dann doch erstaunt, denn hier stimmt wirklich alles. Sei es die Atmosphäre, Spannung, Darsteller oder Musik.

Die beiden Familien wurden auch als Berater zum Dreh hinzugezogen, was dem ganzen eine zusätzliche Authentizität verleiht, denn obwohl die Ereignisse natürlich in 2 Stunden deutlich gestrafft werden mussten, waren wohl die Strelzyks und Wetzels hochzufrieden mit dem was Herbig ablieferte.

Ich persönlich kannte die Geschichte um die Flucht mit dem Ballon gar nicht, denn damals war ich wohl echt noch zu klein um das mitzubekommen und interessierte mich zudem eher weniger für DDR-Geschichten, sondern ließ lieber FADE TO GREY in Dauerrotation im Kassettenrekorder (!) laufen. Von daher war das alles für mich noch viel spannender,, weil ich nicht wusste wie es ausgeht.

Herbig gelang es zudem, mit dem schwer angesagten David Kross, Thomas Kretschmann (dem die Rolle des Stasi-Ermittlers sichtlich diabolisches Vergnügen bereitet, da er ja selbst aus der DDR floh), Friedrich Mücke und sogar Timur Bartels aus Club der roten Bänder (in einer k leinen Nebenrolle) durchweg gute Schauspieler für sein Projekt zu gewinnen.

Das einzige, bei dem sich Herbig etwas künstlerische Freiheit nimmt ist das Ende, als die Stasi kurz vor dem Fluchtversuch schon praktisch vor der Haustüre steht – dies war wohl in der Realität nicht so, auch wenn die Beamten in den Ermittlungen schon ziemlich weit waren.

Sehr sehenswert übrigen auch die Extras, in denen alle Beteiligten des Films zu Wort kommen und man erfährt, dass sogar ein eigener „Coach“ eingestellt wurde, der den Film auf Herz und Nieren prüfte, so dass auch ja kein Ausdruck darin vorkommt, wie er damals nicht gebräuchlich war , wie zum Beispiel dass eigentlich normal gewordene OKAY!

Fazit: Wenn Herbig im Zukunft nur solche Filme abliefert, darf er gerne mehr davon bringen. Von Anfang bis Ende sauspannend, selbst für Menschen, die die Geschichte kennen, ist ihm hier einer der besten deutschen Filme aller Zeiten gelungen, der fast in einer Liga mit 23 oder TATTOO spielt. Und dieser wäre mir fast entgangen weil STUDIO CANAL zu knauserig ist, um Presse DVDs zu verschicken…

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COLETTE (Universum Film)

am 06. Juni 2019 unter Biopic, Drama abgelegt

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Als Sidonie-Gabrielle Colette den erfolgreichen Pariser Autoren Willy heiratet, ändert sich ihr Leben schlagartig: Sie zieht aus dem ländlichen Frankreich ins turbulente Paris und wird Teil der intellektuellen und kulturellen Elite. Zunächst gelangweilt, arrangiert sie sich aber mit der Zeit. Willy, der von einer Schreibblockade geplagt ist, überzeugt seine junge Frau für ihn als Ghostwriter zu arbeiten. In ihrem Debütroman erzählt Colette die Geschichte einer selbstbewussten, jungen Frau namens Claudine. Ein halb-autobiografischer Roman, der unter Willys Namen zum Bestseller wird und ihm Reichtum und Ruhm verschafft. Schnell entstehen weitere Claudine-Bestseller – geschrieben von Colette – und schließlich eine ganze Markenwelt. Doch sie möchte nun endlich die jenige sein, die den Rum einheimst und nicht ihr Ehemann.

Das Problem des Streifens ist eigentlich das, was jede Biographie hat, denn natürlich gab es Sidonie-Gabrielle Colette in Wirklichkeit. Sie wurde 1873 geboren und gilt noch heute als eine bedeutende Schriftstellerin.

Aber bleibt man relativ nahe an den Geschehnissen dran, so wie es hier der Fall ist, droht so ein Biopic immer ein wenig langweilig zu werden, weil das Leben oft eben nicht so spannend ist wie erfundene Plots.

Dichtet man auf der anderen Seite Dinge dazu, meckern dann wieder die Wahrheitsfetischisten, dass dieses oder jenes doch gar nicht passiert sei und man das nur dazu geschrieben hat, damit es etwas spannender wird. Daher kann man es in diesem Genre irgendwie niemandem recht machen und wie zu erwarten gehen die Kritiken auch weit auseinander

Von grandios bis sterbenslangweilig ist im Netz nahezu alles zu finden und ich kann dies durchaus nachvollziehen. Auch ich kann mich nicht wirklich auf eine Bewertung festlegen.

Frau Knightley ist mir zudem schauspielerisch total überbewertet und wird langsam auch für Rollen von Frauen Anfang 20 doch etwas alt, hat aber ihre Bestimmung anscheinend in Dramen aus vergangene Epochen gefunden, den sie spielte ja auch schon in ABBITE oder ANNA KARENINA mit.

Wer sich für die Geschichte der jungen Autorin interessiert und eine Verfilmung sehen will, die sich wohl sehr nahe am wirklichen Leben der Colette aufhält ist hier gut bedient. Der Rest dürfte sich partiell etwas langweilen.

DÄMONISCH (Koch Media)

am 06. Juni 2019 unter Drama, Horror, Thriller abgelegt

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Seit Jahren ist FBI-Agent Wesley Doyle auf der Jagd nach einem Serienmörder, der sich “Die Hand Gottes” nennt – jetzt verspricht ein junger Mann, der ihn abends in seinem Büro besucht, Aufklärung: Nach einer vermeintlichen Engelserscheinung habe sein Vater nicht nur die Fähigkeit erhalten, Dämonen zu erkennen, sondern auch den Auftrag, diese zu töten. Zudem soll sein jüngerer Bruder ebenfalls daran beteiligt sein. Also nimmt der junge Mann den Agenten mit zu dem Friedhof, wo alle Leichen liegen und erzählt ihm die ganze Geschichte.

DÄMONISCH lief, als er damals erschien, komplett an mir vorbei – keine Ahnung warum. Ich habe ihn wirklich zum ersten mal gesehen und war positiv überrascht, denn abgesehen davon, dass die Gottessprüche ab und an nerven, ist Bill Paxton in seinem Regiedebüt ein cleverer kleiner Streifen gelungen.

Leider ist er ja vor nicht allzu langer Zeit verstorben, ebenso wie Powers Boothe, der hier den US-Agenten mimt. In einer weiteren Rolle ist Matthew Mc Conaughey zu sehen, der auch knapp 20 Jahre nach DÄMONISCH immer noch recht dicke im Geschäft ist.

Das Bild ist hervorragend und entspricht der heutigen gängigen Blu Ray Qualität. Ob hier Hand angelegt wurde kann ich nicht wirklich sagen, spielt aber auch keine Rolle.

Überrascht war ich vom Ton, der in den spannenden Momenten in denen zum Beispiel der Vater die vermeintlichen Dämonen berührt, heftig durch die Boxen donnert und ich 2 mal regulieren musste, damit mein Nachbar nicht aus dem Bett fliegt.

Das Ganze erscheint in einem schönen Mediabook, in dem der Film sowohl als Blu Ray und DVD vorhanden ist. Dazu hat man noch jede Menge Extras dazugepackt. Viele Interviews, Audiokommentare und kurze Making-ofs runden das hervorragende Gesamtbild ab.

Allerdings ist DÄMONISCH ein eher ruhigerer Film. Hier geht nicht dauernd die Post ab, denn viele Dinge werden eben auch aus der Vergangenheit erzählt und gezeigt, was dem Streifen an manchen Stellen ein wenig das Tempo nimmt, was mich persönlich aber nicht störte, zumal die bedrohliche Grundstimmung über den ganzen Film anhält.

Sehr gute Veröffentlichung eines mir damals durchgegangen Horrorthrillers, der vor allem mit der Wende am Schluss nochmals punktet. Technisch ist hier eh alles gelungen, auch wenn es fast ermüdet, das bei Koch Veröffentlichungen immer zu erwähnen :o )

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